Wie erstellt man gute Dashboards?

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Ein gut gemachtes Dashboard erleichtert die Informationsaufnahme

Ein gut gemachtes Dashboard erleichtert die Informationsaufnahme

Im Jahrzehnt der explodierenden Datenflut kommt der richtigen Visualisierung von Informationen eine Schlüsselrolle zu. Denn Informationen können nur dann korrekt wahrgenommen und interpretiert werden, wenn sie grafisch richtig dargestellt werden. In diesem Beitrag geht es darum, wie man ansprechende Dashboards und Datenvisualisierungen erstellt.

In Dashboards werden Daten aggregiert und visualisiert. Dafür gibt es viele Tools und Lösungen, sowohl im proprietären als auch im Open Source-Segment (für die hier gewählten Abbildungen kamen Pentaho-Dashboards zum Einsatz, die mit Ctools erstellt wurden). Sie helfen, Informationen leicht lesbar und ansprechend darzustellen. Obwohl sich diese Lösungen seit meinem letzten Beitrag zu dem Thema in den letzten Jahren stark weiterentwickelt haben, muss man bei der Erstellung von Dashboards aber nicht nur die richtige Technologie beachten.

Was banal klingt, ist nämlich nach wie vor gültig (und angesichts der ständig steigenden Datenmengen so wichtig wie nie zu vor): Daten müssen so visualisiert werden, dass eine falsche Interpretation ausgeschlossen ist. Dazu braucht es mehr als eine gute Software, dazu sind profunde Kenntnisse der Datenvisualisierung wichtig. In diesem Beitrag kann ich nur auf die wichtigsten Punkte eingehen, für einen tieferen Einstieg empfehle ich die einschlägige Literatur zu dem Thema, z.B. Stephen Few, Rolf Hichert, Dona Wong oder Nathan Yau.

Wie erstelle ich nun ein gutes Dashboard? Zunächst mal richtet sich ein gelungenes Diagramm nach der Zielgruppe, die es konsumiert. Wie man die Informationen aufbereitet und darstellt, sollte man abhängig vom Empfängerkreis machen. So braucht die Geschäftsführung eines Unternehmens anders aufbereitete Daten als das Controlling oder der Vertrieb.

  1. Wählen Sie die richtige Visualisierungsmethode aus
    „Letztes Jahr haben wir 135411 Scheibenwischer verkauft, dieses Jahr sind es 142718.“ Sätze wie dieser gehören nicht in ein Dashboard, weil sie nur schwer verständlich sind. Auch komplexe Tabellen, viele Einzeldaten oder Texte sorgen beim Betrachter für Verwirrung und sollten deshalb durch Diagramme visualisiert werden. Diagramme ermöglichen dem Konsumenten, auf einen Blick wichtige Daten zu erfassen. Zudem sorgen sie dafür, dass das Dashboard aufgeräumt und übersichtlich erscheint. Vorsicht: nicht alle Diagramme eignen sich gleich gut und einige klassische Diagramme verwendet man heute in einer abgewandelten Form, da sie dadurch besser lesbar werden.
  2. Sorgen Sie für eine hohe Informationsdichte im Dashboard
    Erstellen Sie ein Dashboard so, dass es den ganzen Bildschirm ausfüllt und alle wichtigen Diagramme enthält. Dabei stehen die Daten im Vordergrund – Hintergrundbilder wie Fotos oder dekorative Elemente lenken nur vom Wichtigen ab. Kuchendiagramme sollten sorgfältig eingesetzt werden, weil sie es erschweren, ähnlich große Mengen zu vergleichen. Außerdem eignen sie sich nur für die Darstellung einer begrenzten Anzahl von Kategorien (<6).
  3. Stellen Sie Inhalte einfach dar
    3D-Diagramme machen optisch zwar was her, lassen sich aber nicht so gut lesen wie klassische Diagramme. Lassen Sie sie daher am besten ganz weg. Datenvisualisierungen sind so zu gestalten, dass die dargestellten Informationen einfach und unmissverständlich interpretierbar sind. Verzichten Sie daher auf Gestaltungselemente wie Animationen, wenn sie keine Bedeutung haben, und achten Sie auf einen sinnvollen Einsatz von Farbe. Empfehlenswert sind schmale Farbpaletten (z.B. Grautöne), gute Kontraste und Farben, die die Aussage unterstützen (grün = positiv, rot = negativ, blau = Hervorhebung usw.). Vorsicht bei leuchtenden Farben, sie werden meist zuerst wahrgenommen und verfälschen dadurch die Datenwahrnehmung. Möchten Sie bestimmte Informationen besonders hervorheben, definieren Sie eine eigene Farbe für Hervorhebungen innerhalb Ihrer Farbenpalette (z.B. blau).

    Empfehlungen für den Einsatz von Farbe in Diagrammen und Dashboards

    Empfehlungen für den Einsatz von Farbe in Diagrammen und Dashboards

  4. Wählen Sie den richtigen Vergleichstyp
    In jeder Aussage über Daten steckt ein Vergleich. Nicht alle Datenvisualisierungen werden auf die gleiche Weise gelesen, entscheidend ist, wie sie dargestellt und angeordnet sind. Dabei kann man sich menschliche Gewohnheiten, sogenannte visuelle Hierarchien, zunutze machen: Zeiteinheiten lesen wir automatisch von links nach rechts. Deshalb gehören zeitliche Verläufe (Tage, Monate, Jahre) immer auf die X-Achse. Strukturen wie z.B. Produkte sollten hingegen auf der Y-Achse angeordnet werden.
  5. Ermöglichen Sie Vergleiche
    Machen Sie den Inhalt eines Diagramms vergleichbar, indem Sie passende Kontraste, Formen oder Hilfselemente einsetzen (visuelle Unterstützung). Ziel ist es, Muster zu erkennen und Werte und Mengen im richtigen Verhältnis wahrzunehmen. Vergleichen kann man alles. Dabei lassen sich sortierte Balken leichter interpretieren als unsortierte. Hier gehen leicht Informationen verloren.
  6. Verwenden Sie ein einheitliches Aussehen
    Ihr Dashboard sollte ein einheitliches Design aufweisen. So sollten alle Elemente standardisiert sein, beispielsweise über ein Symbol für alle Zielwerte. Erstellen Sie ein Konzept für die verwendeten Schriften und Farben. Dadurch wirkt Ihr Dashboard übersichtlicher und professioneller. Gleiche Inhalte sollten nicht mit verschiedenen Diagrammen dargestellt werden, weil das den Betrachter verwirrt.

Die Erstellung eines guten Dashboards mit den richtigen Visualisierungen ist sicher nicht in einer Stunde getan. Mit den wichtigsten Punkten im Kopf und einem der Standardwerke, die es zum Thema gibt, neben sich ist es aber auch kein Hexenwerk. Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard sehen Sie hier (für das gesamte Dashboard auf das Bild klicken):

Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard

Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard

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Stefan Müller - Director Business Intelligence & Big Data
Nach mehreren Jahren Tätigkeit im Bereich Governance & Controlling und Sourcing Management ist Stefan Müller bei it-novum gelandet, wo er den Bereich Business Intelligence aufgebaut hat. Stefans Herz schlägt für die Möglichkeiten, die die BI-Suiten von Pentaho und Jedox bieten. Er beschäftigt sich aber auch mit anderen Open Source BI-Lösungen. Seine Begeisterung für Business Open Source für Datenanalyse und -aufbereitung gibt Stefan regelmäßig in Fachartikeln, Statements und Vorträgen und als Experte der Computerwoche weiter.
Webprofile von Stefan: Twitter, XING, Google+

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