Systemmonitoring: Mit fünf Fragen zur richtigen Lösung

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15.10.2013ǀ ǀ Monitoring

shutterstock_77261275_largeDie Auswahl der richtigen Systemmonitoring-Lösung ist wirklich kompliziert: Es existieren sehr viele Lösungen mit unendlich vielen Features. Bis alle Möglichkeiten evaluiert sind, vergehen oft Monate. Dies vermitteln mir immer wieder Gespräche mit Kunden, welche eine Monitoring-Lösung einführen möchten. Aber eigentlich gibt es nur ein paar wichtige Fragen, die zur richtigen Lösung führen. Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in diesem Beitrag.

Die erste Frage muss lauten:
„Was möchte ich erreichen, welches Problem möchte ich lösen?“

Ohne Problemanalyse ist keine Problemlösung möglich. Wer seine Rahmenbedingungen und Erwartungen an ein Monitoring kennt, kann ganz leicht eine Vorselektion treffen. Zur Verdeutlichung hier ein paar typische Beispiele aus dem Projektalltag :

  • Ich verfüge über eine Flut an Servern, Storage-Systemen, Betriebssystemen, Applikationen, Datenbanken und anderen Geräten im Netz und über ebenso viele Überwachungsmöglichkeiten (ich nenne sie mal abgekapselte „Insellösungen“). Aber ein zentrales Monitoring-Tool habe ich leider nicht.
  • Ich biete meinem Kunden bestimmte IT-Services, der Kunde ist dabei aber nicht nur Abnehmer der Dienstleistung, sondern gleichzeitig „Störungsmelder“ (eigentlich ein Unding, in vielen IT-Abteilungen aber normal).
  • Ich habe bereits ein Monitoring-System, bin aber mit den Kosten, der Qualität, den Funktionalitäten und der Bedienung unzufrieden.

Die zweite Frage muss lauten:
„Welches Budget steht mir für eine Monitoringlösung zur Verfügung?“

Der Markt bzw. das Web bietet eine Vielzahl an Monitoringanwendungen – angefangen von freien Tools bis hin zu teuren und oft komplexen kommerziellen Überwachungssystemen. Dass eine kostenlose Software nicht gleich viel kann wie eine teure Herstellerlösung, ist selbstredend. Mit Software ist es aber so wie mit dem Wein: Den Unterschied zwischen dem Aldi Tetrapak-Wein und einer Flasche für acht Euro schmeckt jeder. Nimmt man dagegen einen Wein für 30 Euro und einen für 100 Euro, werden nur trainierte Geschmacksknospen Unterschiede feststellen.
Ein Monitoringsystem im mittleren Preissegment kann daher häufig sehr gut mit einem Überwachungselefanten mithalten – viele Features sind eben nicht immer gute und sinnvolle Features. Und bis man alle konfigurieren und bedienen kann, können durchaus auch mal Jahre ins Land gehen.

Deshalb empfehle ich, sich ein bisschen Zeit für die Beantwortung der dritten Frage zu nehmen:
„Wie berechnet man die endgültigen Kosten des Monitoring-Systems?“

Die Produktivität wird in den meisten modernen Überwachungssystemen in der sogenannten Processing Unit (PU) gemessen. Eine Unit kann z.B. eine CPU, ein Betriebssystem, ein Gerät wie ein Switch oder auch eine bestimmte Applikation oder ein Software-Modul sein. Je größer die Anzahl der Processing Units die Sie überwachen möchten, desto größer wird in der Regel auch der Endpreis des Systems sein. In den Endpreis sollte man aber noch mehr Faktoren einfließen lassen: Die Kosten für die Basisimplementierung, die Schulung der Anwender und die eventuell anfallenden Gebühren für Subscription und Support.

Natürlich ist der Preis nicht immer ein eindeutiges Kriterium. Die Auswahl sollte deshalb auch auf den spezifischen Aufgaben die das zukünftige System erfüllen soll, bzw. ihren Bedürfnisse, basieren.

Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Exkurs zu der Frage, welche Aufgaben ich einem Systemmanagementtool übertragen möchte.

  • Tracking und Analyse der wichtigsten Geräteparameter in Echtzeit (CPU-Auslastung, freier Speicherplatz, Temperatur etc.)
  • Tracking und Analyse der Anwendungsparameter (Zahl der Online-Kunden, tägliche Transaktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit von Anwendungen etc.)
  • Proaktive Information/ Vorhersage des Auftretens von Ressourcenknappheit und drohenden Engpässen. Auch in komplexen und verteilten IT-Infrastrukturen.
  • Senkung der Support-/Service-/Personal-Kosten durch eine Verringerung der eingesetzten Softwarelösungen.
  • Verbesserung der allgemeinen Verfügbarkeit von Diensten (auf 99,9%) auf der Basis 7/24/365.

Jede Aufgabe kann teilweise oder vollständig mit einer der aktuell verfügbaren Monitoring-Lösungen gelöst werden. Unterschiedlich sind aber (je nach gewählter Lösung) die Geschwindigkeit der Einführung des Monitoringsystems und die Qualität der erzielten Ergebnisse.

Auch wichtig: Der Bedarf an zusätzlichen Aufgaben muss im Vorfeld identifiziert werden. Das kann z.B. das Vorhalten historischer Monitoringdaten sein, der Einsatz spezieller Remote-Agenten, die Integration mit Systemen von Drittanbietern wie Ticket- und/oder Assetlösungen und andere Funktionen, die manchmal das alles entscheidende „Zünglein an der Waage“ zugunsten einer bestimmten Überwachungslösung sein können.

Zurück zu unserem Fragenkatalog. Die vierte Frage lautet:
„Wie kann ich meine Überwachungslösung mit meinen Mitarbeitern pflegen?“

Komplexe, teure Monitoring-Lösungen benötigen in der Regel mehr Zeit für eine Implementierung als einfache Tools. Auch die Schulung im Nachgang ist bei einer mächtigen Lösung nicht zu unterschätzen. Meiner Erfahrung nach können die Anforderungen des Kunden im besten Fall zu 90% erfüllt werden, wenn die Mitarbeiter intensivst geschult wurden und ständig mit dem System arbeiten. Ich betrete immer wieder Unternehmen, in denen eine supermoderne Lösung die IT überwacht, aber von niemandem richtig bedient werden kann.

Im Midrange-Bereich nimmt eine Implementierung dagegen weniger Zeit in Anspruch. Die Hardware-Anforderungen sind auch meistens geringer. Der Schulungsaufwand hält sich in der Regel in Grenzen, dafür deckt ein solches System nur etwa 70-80% der Bedürfnisse ab.

Was offene Monitoringlösungen betrifft, ist das Risiko einer geringeren Leistung minimal, da man sich aus den umfangreichen Baukästen der Entwickler/der Community bedienen kann. Die Aufwände einer Implementierung sind überschaubar und eine Schulung in der Regel nicht notwendig, da das KnowHow während der Implementierung vermittelt wird.

Die letzte Frage stellt sich oft erst nachdem das System installiert wurde, das Personal geschult wurde und die Lösung produktiv genutzt wird:
Was tun mit der Lösung, wenn ein Problem auftritt?

Guter Rat ist teuer, wenn jetzt niemand ansprechbar ist. Die Antwort ist für alle Monitoring-Systeme gleich, egal ob kommerzielle oder freie Software eingesetzt wird: Nach der Implementierung ist vor der Implementierung. Einen professionellen Dienstleister braucht man auch (oder gerade dann), wenn das Projekt abgeschlossen ist. Auch, wenn sich die Frage nach dem Support erst dann stellt, wenn es richtig brennt, sollte man einen fähigen Supportpartner zur Hand haben, der schnell und zuverlässig Hilfestellung geben kann. Ansonsten wird der „Überwachungselefant“ schnell zum „Überwachungsmonster“…

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Christoph Weß ist Informatiker und Senior Account Manager. Als „Mann der ersten Stunde“ bei der it-novum berät Christoph seit 1999 Kunden in den Bereichen Systemmonitoring (openITCOCKPIT), Helpdesk-Lösungen (OTRS, IT-Dokumentation (i-doit) und weiteren infrastrukturnahen Themen.
Webprofile von Christoph: XING, Twitter

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