Systemmonitoring: Lizenz oder Lösung?

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19.02.2013ǀ ǀ Monitoring
Lizenz oder Lösung?

Lizenz oder Lösung?

Bei normaler Software kommt es immer seltener vor, dass der Anbieter am eigentlichen Projekt mitarbeitet. Der Anwender mag sich daher die berechtigte Frage stellen, in was man eigentlich investieren sollte: In eine funktionsfähige Lösung oder in ein Lizenzpapier? Leider ist es gängige Praxis geworden, dass viele Softwareanbieter lediglich den schnellen Lizenzverkauf anvisieren und der Kunde bei der Implementierung allein auf weiter Flur steht. Aber wer ist für den Projekterfolg verantwortlich, wenn das Projektziel nicht erreicht wird? Nimmt der Softwarelieferant seine Lizenzen zurück?

Das sind Fragen, die normalerweise im Vorfeld nicht geklärt werden. Es ist schlimm genug, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt. Wurden bereits hohe Beträge für Lizenzen ausgegeben, ist der Kunde doppelt gestraft, denn eine Rückgabegarantie gibt es im Normalfall nicht.

Ein wenig anders sieht es im Open Source-Umfeld aus. Bei den Enterprise-Versionen (die wir als interessanter erachten) fällt meistens nur eine Subskriptionsgebühr an. Wichtiger ist aber, dass der Anbieter voll hinter dem Projekt steht. Er steht dem Kunden deshalb auch in der Regel für eine individuelle Implementierung zur Verfügung.

Nehmen wir meinen Bereich, Systemmanagement. Wenn ich zurückliegende Kundenprojekte betrachte, muss der erste Schritt bei der Auswahl einer Systemmonitoringlösung immer die Analyse der vorhandenen Alternativen sein. Dabei müssen sowohl proprietäre/kommerzielle als auch Open Source-Produkte detailliert betrachtet werden.

Aus unserer Erfahrung sind die häufigsten Kriterien für die Auswahl einer Systemmanagementlösung:

  • kostengünstige Überwachung aller Server/Hosts
  • keine Lizenzierung pro Host, Service, Prozessor oder Kern
  • im Betrieb kostengünstiger als die evtl. bislang genutzte kommerzielle Lösung
  • unter Linux lauffähig
  • kompetenter Partner für die Implementierung vorhanden?
  • möglichst einfache Bedienung und Konfiguration
  • detaillierte Visualisierung und Überwachung
  • proaktiver Versand von Benachrichtigungen
  • Schnittstellen zu ITIL-relevanten Lösungen (Ticketsysteme, Asset-Lösungen etc.)
  • Enterprise- oder Business-Anspruch (z.B. End2End, SLA, SAP-Monitoring…)
  • Supportleistungen nach dem Projekt erhältlich?

In vielen meiner Projekte war das Ergebnis dieser Analyse oft, dass auf Nagios basierende Lösungen die gestellten Anforderungen am besten erfüllen. Sie sehen das anders? Dann gehen Sie die Liste Stück für Stück noch einmal durch. Na also, geht doch.

Make or buy?
Ist die Lösung ausgewählt, kommt man um die nächste Frage nicht herum: Implementiere ich selbst oder möchte ich einen kompetenten Partner an der Hand haben? Die Community-Version einer Open Source-Lösung herunterladen und durch eigene Mitarbeiter implementieren zu lassen, führt zwangsläufig (wenn auch meist nicht kurz-, sondern eher langfristig) zu Frust. Folge: die Lösung wird verteufelt. Aber oft mangelt es schon in dieser Prä-Phase an rudimentärem Open Source-Knowhow. Anders als im Microsoft-Umfeld bieten eben quelloffene Lösungen nicht immer das gewohnte „klicki-bunti-Feeling“. Etwas mehr Wissen um die dahinterliegenden Technologien ist gefragt. Das ist der Preis für die offene Architektur und die Hoheit über den Code. Flexibilität, Skalierbarkeit UND Schnittstellen gibt es eben nicht zum Nullpreis. Bevor man daher eifrig beginnt, zu installieren und zu konfigurieren, sollte man genau prüfen, ob es nicht mehr Sinn macht, bei der Implementierung einen kompetenten Partner mit ins Boot zu nehmen. Ganz abgesehen von einer wesentlich reibungsloseren Einführung können die eigenen Mitarbeiter die Implementierung begleiten und bekommen dadurch wichtiges Knowhow zur Lösung vermittelt.

Dann ist die eingangs gestellte Frage auch schnell beantwortet: Lizenz – ja, wenn´s denn auch die gewünschte Funktion bringt. Ansonsten ist manches Unternehmen besser damit beraten, Budget für Lizenzen in Dienstleistung zu stecken.

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Christoph Weß, Account Manager
Christoph Weß ist Informatiker und Senior Account Manager. Als „Mann der ersten Stunde“ bei der it-novum berät Christoph seit 1999 Kunden in den Bereichen Systemmonitoring (openITCOCKPIT), Helpdesk-Lösungen (OTRS, IT-Dokumentation (i-doit) und weiteren infrastrukturnahen Themen.

Webprofile von Christoph: XING, Twitter

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