SAP Connectivity mit Open Source-Tools

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Wie bindet man SAP zu Auswertungszwecken an BI-Tools an? In diesem Post besprechen wir verschiedene Konnektoren.

Schon vor längerem haben wir eine SAP-Schnittstelle zur Dokumentenmanagementsoftware ELO entwickelt. Im vergangenen Herbst haben wir dann begonnen, SAP auch an Open Source-Anwendungen anzubinden. Neben der SAP-Schnittstelle für Alfresco und sugarCRM werden wir in Kürze den ITN Connector ERP, einen SAP-Konnektor für Pentaho veröffentlichen – Anlass, um einen Blick auf die SAP Connectivity anderer Open Source-Projekte zu werfen.

Zunächst: Warum so eine Schnittstelle? Dazu müssen wir etwas weiter ausholen. ERP-Systeme wie SAP erzeugen sehr detaillierte operative Daten entlang der Geschäftsprozesse. Für die Fachabteilungen ist ein hoher Detaillierungsgrad durchaus erwünscht. Um aber die Unternehmensstrategie überwachen zu können (sowohl die Steuerung des gesamten Unternehmens als auch einzelner Bereiche), müssen die Informationen stark verdichtet und mit Daten aus anderen Systemen angereichert werden. Dazu werden normalerweise Kennzahlensysteme eingesetzt. Mit ihnen kann man überprüfen, ob man seine strategischen und operativen Ziele erreicht hat. Die verwendeten Kennzahlen müssen aber a) einen inhaltlichen Bezug zu den Zielen haben und b) wirtschaftlich in der Erhebung sein. ERP-Systeme enthalten sehr viele der zur Kennziffernberechnung notwendigen Daten. Sie sind daher eine zentrale Datenquelle für die analytischen Instrumente der Unternehmenssteuerung.

Wie geht man nun mit dieser Datenfülle um? Normalerweise wird sie aus dem ERP (SAP, Microsoft, ProAlpha, Infor, Abas usw.) extrahiert und in ein separates Data Warehouse geladen. Dort werden sie mit Daten aus weiteren Quellen integriert, um daraus anschließend die Kennzahlen zu berechnen.

Durchgeführt wird das mit speziellen Software-Werkzeugen, so genannten ETL-Tools (Extraction, Transformation, Loading). Erst mit ihnen lassen sich Unternehmensdaten für Berichte, Analysen und letztendlich auch Kennzahlensysteme aufbereiten. Für uns am meisten interessant sind natürlich Open Source-Vertreter dieser Software-Kategorie.

Welche Schnittstellen zu SAP bieten nun quelloffene ETL-Tools?

Der berühmteste und älteste Vertreter im Open Source ETL-Bereich ist die Datenintegrationssoftware von Pentaho (manchem noch unter dem Namen Kettle bekannt). Bis zur Version 4 gab es die SAP-Konnektivität nur als kostenpflichtiges Plug-In. In der aktuellen Version ist sie in die Community Version integriert und in mehreren Input-Komponenten vorhanden. Eine dieser Komponenten ist unsere Schnittstelle, der ITN Connector ERP. Der Konnektor ist auf die Datenextraktion aus SAP-Tabellen spezialisiert und ermöglicht unter anderem eine Spalten- und Zeilenfilterung direkt in der Schnittstelle selbst. Auf diese Weise kann der Anwender sofort die Datenmenge eingrenzen: Er legt z.B. fest, dass nur Daten ab dem Jahr 2010 extrahiert werden sollen. Daten, die man nicht braucht, müssen also gar nicht erst in die Software geladen werden, um sie im nächsten Folgeschritt wieder „wegzufiltern“. Technologisch gesehen arbeitet der ITN Connector ERP mit dem Java Connector (JCO) von SAP. Auf die SAP-Daten greift die Schnittstelle über einen Remote Function Call zu. Diese Komponente gibt es übrigens nicht nur für Version 4.0 der Pentaho Data Integration, sondern auch für die ältere Version 3.2. PDI 4.0 enthält neben unserer noch eine zweite Schnittstelle, mit der man in einem Zwischenschritt des ETL-Prozesses flexibel BAPIs in SAP aufrufen kann.

Jedox Palo bietet in seiner ETL-Komponente ebenfalls SAP-Konnektoren an. Das Tool ist vollständig webbasiert, der Fokus liegt auf der Befüllung von Palo-Cubes. Analog zu Pentaho nutzt auch Palo Remote Function Calls, um die Daten aus SAP zu extrahieren. Interessant ist, dass Palo Daten nicht nur aus SAP ERP ziehen kann, sondern auch aus SAP BW. Diese Funktionalität ist allerdings kostenpflichtig und muss als Add-On zur Premium-Version von Palo gekauft werden.

Auch der französische Anbieter Talend hat eine SAP-Konnektivität in sein kostenfreies Talend Open Studio eingebaut. Sie funktioniert ähnlich wie die beiden vorangestellten Vertreter. Die Besonderheit bei Talend ist eine zusätzliche Komponente, mit der sich Daten in SAP zurückschreiben lassen. Auf diese Weise können beispielsweise Plandaten oder Forecastwerte aus anderen Systemen nach SAP gelangen. Das ist allerdings sicherlich ein Weg, den es zu diskutieren gilt und der eine gewisse Sorgfalt unumgänglich macht.

ETL-Werkzeuge aus der Open Source-Welt können SAP-Daten mit verschiedenen Methoden verarbeiten. Weil jeder der vorgestellten Anbieter gewisse Spezialitäten an Bord hat, lassen sich viele mögliche Einsatzszenarien abdecken. Positiv ist, dass die SAP-Konnektivität bei allen mit Ausnahme von Jedox  kostenfrei verfügbar ist. Leistungsfähige ETL-Tools können jedoch immer nur ein Teil die erfolgreiche Nutzung von SAP-Daten sein. Fundierte Kenntnisse des SAP-Systems an sich sowie Erfahrung beim Aufbau von Data Warehouses bzw. OLAP Cubes sind mindestens genauso wichtig, um die Daten sinnvoll und zielführend weiterverarbeiten zu können.

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Stefan Müller - Director Business Intelligence & Big Data
Nach mehreren Jahren Tätigkeit im Bereich Governance & Controlling und Sourcing Management ist Stefan Müller bei it-novum gelandet, wo er den Bereich Business Intelligence aufgebaut hat. Stefans Herz schlägt für die Möglichkeiten, die die BI-Suiten von Pentaho und Jedox bieten. Er beschäftigt sich aber auch mit anderen Open Source BI-Lösungen. Seine Begeisterung für Business Open Source für Datenanalyse und -aufbereitung gibt Stefan regelmäßig in Fachartikeln, Statements und Vorträgen und als Experte der Computerwoche weiter.
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