Open Source stärkt den souveränen Anwender

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14.01.2014ǀ ǀ Nachgefragt
Joachim Winkler, Geschäftsführer von synetics.

Joachim Winkler, Geschäftsführer von synetics.

Heute starten wir eine neue Serie: In den kommenden Wochen stellen wir in unregelmäßigen Abständen unsere Partner mit einem kleinen Interview vor. Den Anfang macht heute Joachim Winkler von i-doit.

Wer bist du und was verbindet dich mit Open Source?
Ich bin Joachim Winkler, 47 Jahre alt, geschäftsführender (Mit-) Gesellschafter der synetics GmbH aus Düsseldorf und Vater von zwei Töchtern. Wir entwickeln seit 2005 die CMDB- und Dokumentationssoftware i-doit, die auch unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar ist.

Was bedeutet für dich Open Source?
Mit zunehmender Verbreitung von Open-Source-Software fällt mir eine eindeutige Positionierung immer schwerer. Der Blick der meisten Anwender ist vielfach der durch die „Billig“-Brille; hier steht in der Regel der kostenfreie Bezug der Software im Vordergrund. Hersteller proprietärer Lösungen hängen sich den Open-Source-Gedanken gerne als Marketingschildchen um den Hals, um ebenfalls Kosten zu sparen. Und ideologisch betrachtet? Ja, die Freiheit des Wissens und sein Gebrauch sind ein scharfes ideelles Schwert, umfänglich allerdings auch nur schwer mit der vorherrschenden Wirtschaftsordnung zu verbinden. Von daher sind es heute eher die Nebentöne, die meine Sicht auf die Bedeutung von Open-Source ausmachen.

So zum Beispiel der Trend zu mehr Anwendermündigkeit, der sich mit der zunehmenden Verbreitung von Open-Source-Software durchzusetzen scheint. Weg vom blinden Folgen der Hersteller-Heilsversprechen, hin zu einer klar und deutlich formulierten Erwartungs- und Anforderungshaltung. Dadurch verändert sich der Umgang zwischen Software-Anbieter und Anwender. Besseres Zuhören, zielgerichtete Kommunikation und stärkeres/schnelleres Reagieren auf Fehlermeldungen und Featurewünsche sind dabei Methoden, die besonders bei Open-Source-Anbietern vorzufinden sind.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für dich aus?
Nun, als Geschäftsführer würde man sich manchmal gerne mehr „normale“ Tage wünschen. Neben den strategischen und organisatorischen Aufgaben besteht meine wesentliche Arbeit darin, das Team arbeitsfähig zu halten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend zu motivieren. Das führt dazu, dass ich vom Feuerwehrmann bis zum Psychologen jeden beruflichen Kindheitstraum mal streife und sich nur sehr selten so etwas wie Routine einstellt. Mein Arbeitstag fängt meist nicht vor 9:00h an und endet in den früheren oder späteren Abendstunden.

Was war bisher dein spannendstes Projekt?
Das spannendste Projekt war, ist und bleibt unsere eigene Software-Entwicklung rund um i-doit. Und das nicht nur inhaltlich, sondern auch vom ganzen Drumherum. Sei es die notwendige Teamorganisation für eine professionelle und agile Software-Entwicklung, der Kontakt zu Anwendern aus den unterschiedlichsten Branchen oder die stete Weiterentwicklung unserer Kommunikation und Außendarstellung. Dass das Ganze in einem dynamischen Markt stattfindet, der von Cloud, Industrialisierung und Sicherheit getrieben wird, macht unser „i-doit Projekt“ zusätzlich spannend.

Wie wird sich die Open Source-Welt deiner Meinung nach in den nächsten Jahren wandeln? Oder: Was waren die wichtigsten Änderungen in der Vergangenheit?
Aus meiner Sicht wird sich Open-Source in den kommenden Jahren weiter in seinen verschiedenen Ausprägungen kommodisieren, gleichzeitig aber in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung verlieren. Letzteres hängt sicher stark mit der zunehmenden Orientierung an Services, Apps und Cloud-Diensten zusammen, die für den Anwender zu einer zunehmenden Intransparenz der dahinter stehenden Technologien führen. Auf der anderen Seite werden sich Betreiber privater oder öffentlicher Rechenzentren in Zukunft deutlich mehr mit dem Thema beschäftigen. Bereits heute finanziert sich die Entwicklung systemnaher Software (z.B. Linux, Apache, Firefox) vielfach im Rahmen von Stiftungen, die wiederum von großen Anbietern oder Anwendern getragen werden. Entsprechende Entwicklungen sind auch bei diversen Branchenlösungen zu beobachten. Letztlich wird sich der zukünftige Umgang mit Open-Source auf die Frage zuspitzen, welche Wettbewerbsvorteile der gezielte Einsatz bringen kann.

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Steffen Rieger - Director Infrastructure & Operations
Steffen Rieger leitet den Bereich Infrastruktur bei it-novum. Das umfasst den strategischen Vertrieb von Open Source Datacenter-Lösungen, den Betrieb der Rechenzentren der Konzerngruppe sowie die Leitung diverser operativer Teams für Consulting, Development und Support mit den Schwerpunkten Monitoring, Servicemanagement und Business Critical Computing. Nach 15 Jahren Erfahrung in diesem Bereich ist Steffen aber immer noch mit Leidenschaft als Open Source Enterprise Architekt an der Front unterwegs, regelmäßig auf Konferenzen und Symposien zu hören und als Experte der Computerwoche aktiv. Die Open Source-Projekte openITCOCKPIT und openATTIC hat er federführend mitentwickelt.
Webprofile von Steffen: Twitter, XING, Google+

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