Open Source für die öffentliche Verwaltung – 3: Beschaffungsprozesse

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25.04.2017ǀ ǀ Open Source
Grenzenlose Freiheit dank offener Technologien

Grenzenlose Freiheit dank offener Technologien

Der dritte Teil unserer Blogserie zum Thema Open Source in der öffentlichen Verwaltung befasst sich damit, wie die Hürde der besonderen Beschaffungsprozesse anzugehen ist, damit Open-Source-Lösungen eingeführt werden können. Und wir diskutieren, ob nicht die prinzipbedingte Offenheit und Flexibilität letztlich viel gewichtigere Gründe für Open Source sind als das reine Kostenargument.

Der Beschaffungsprozess als Hürde
Ein wichtiges Hindernis, das Open-Source-Software (OSS) nehmen muss, um sich den Weg in die öffentliche Verwaltung zu bahnen, ist der Beschaffungs- bzw. Vergabeprozess der öffentlichen Hand. Die rechtlichen Auflagen sind weit strenger als bei einer privatwirtschaftlichen Ausschreibung. Projekte in Bundesbehörden beispielsweise müssen alle über die jeweiligen Beschaffungsämter der Bundesministerien bzw. über e-Vergabe – die Vergabeplattform des Bundes – abgewickelt werden. Gesetzliche und verwaltungstechnische Vorgangsrichtlinien zwingen Dienstleister in der Regel zu umfangreichen Anpassungen. So spielt in der öffentlichen Verwaltung beispielsweise der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter eine größere Rolle als in der Wirtschaft, und auch die Anforderungen an die Sicherheit sind in aller Regel höher. Die Verantwortlichen in der Behörde müssen natürlich alle vergaberechtlichen Anforderungen beachten, um nicht die Kritik der Rechnungsprüfung auf sich zu ziehen. Dies führt zu Ausschreibungen, die so komplex sind, dass sie mögliche Bieter mitunter einfach abschrecken.

Aus den richtigen Gründen – nicht zuerst die Kosten
Traditionell sind niedrigere Kosten das erste Argument, das für Open-Source-Lösungen angeführt wird. Aber auch aus der Perspektive der öffentlichen Verwaltung können andere Vorteile den Ausschlag geben. Der wichtigste Grund, Open-Source-Software einzusetzen, ist mitunter gar nicht ihre Wirtschaftlichkeit, sondern der größere Nutzen, den sie entfaltet: Oft sind die prinzipbedingte Offenheit und Flexibilität von Open Source relevanter, weil zum Beispiel Schnittstellen zu anderen Systemen gefragt sind. Wie das Datenintegrationsprojekt bei der Bundespolizei zeigt, lassen sich manche Anforderungen oft nicht anders abbilden als durch eine Open-Source-Lösung, die genau auf die (fachlichen) Anforderungen hin zugeschnitten werden kann und nicht mit unnötigen Funktionen überladen ist. Auch Zuverlässigkeit kann bei der Entscheidung ein wichtiger Aspekt sein. So laufen zum Beispiel spezialisierte Linux-Server (Proxy, DNS etc.), die man in kürzester Zeit aufsetzen kann, viele Jahre problemlos und ohne dass man sie noch einmal „anfassen“ muss.

Im vierten und letzten Teil unserer Blogserie über Open Source in der öffentlichen Verwaltung geht es uns darum, welche Voraussetzungen ein Dienstleister eigentlich mitbringen muss, damit er ein Open-Source-Projekt in der Verwaltung zu einem erfolgreichen Abschluss bringen kann.

Wie öffentliche Behörden von den Vorteilen offener Technologien profitieren, erfahren Sie auch in unserem 15-seitigen Ratgeber mit vielen Praxisbeispielen.

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Michael Kienle - Geschäftsführer „Open Source gehört in die Business-Welt und nicht in die Technologieecke“ – die Auffassung von Open Source als Business-Thema hat Michael Kienle maßgeblich mitentwickelt. Als ehemaliger Chief International Officer für die Open Source Business Foundation und Geschäftsführer eines SAP- und Open Source-Beratungsunternehmens gehört Michael zu den führenden Köpfen in der Open Source-Welt. Er schreibt regelmäßig als Experte für die Computerwoche.
Webprofile von Michael: Twitter, XING, LinkedIn

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