Nachbericht: OpenStack Summit 2016 in Austin, Texas

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Welcome to OpenStack Summit Austin 2016

Welcome to OpenStack Summit Austin 2016

Vom 25. bis 29. April hatte die OpenStack Foundation zu ihrer halbjährlich stattfindenden Konferenz nach Austin (Texas) eingeladen. Laut Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation, nahmen über 7.500 Teilnehmer aus 26 Ländern am „OpenStack Summit“ teil. Das und die vielen eindrucksvollen großen Anwenderberichte zeigten, dass sich OpenStack weiter stark ausbreitet und über den Status des Proof-of-Concepts hinausgewachsen ist.

Für mich war es nach dem OpenStack Summit in Tokio im letzten Jahr die zweite Gelegenheit, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wie auch in Tokio lag mein Interessenschwerpunkt auf Vorträgen aus dem Storage-Umfeld, und hierbei insbesondere bei Beiträgen rund um das Cluster-Speichersystem Ceph. Dadurch konnte ich mich über die aktuellsten Trends und Entwicklungen in diesem Bereich informieren, um die gewonnenen Erkenntnisse in unser Open Source Storage-Managementsystem openATTIC einfließen zu lassen, das wir seit Anfang des Jahres gemeinsam mit SUSE zu einem Frontend für Ceph weiterentwickeln.

Die Hauptveranstaltung mit den eher anwenderorientierten Vorträgen fand im Austin Convention Center statt. Die OpenStack Entwickler-Community tauschte sich auf dem Design Summit im gegenüber liegenden Hilton-Hotel aus und plante in Vorträgen und „Birds of a feather“-Sitzungen die zukünftige Entwicklung von OpenStack.

The Future of Storage OpenStack Summit Austin 2016

The Future of Storage

Neue vereinheitliche Entwicklungsstrategie
Auffällig war, dass sich viele Workshops mit projektübergreifenden Themen beschäftigten. Das zeigte, dass sich die OpenStack-Entwickler die Klagen der Anwender über den „Wildwuchs“ und die redundante Entwicklungsarbeit aufgrund der mangelnden projektübergreifenden Kommunikation zu Herzen genommen haben. So diskutierten die Teilnehmer dieses Mal zum Beispiel Ansätze zu einem einheitlichen Schema zur Dokumentierung der diversen Programmierschnittstellen, einem gemeinsamen Plugin-basierten Kommandozeilenwerkzeug namens „OpenStackClient“ oder auch über die Festlegung von repräsentativen „OpenStack Personas“. Letztere sollen dazu dienen, die verschiedenen Anwendergruppen mit entsprechenden Personas bzw. Musterfirmen zu repräsentieren, um anhand dieser Modelle neue Funktionalitäten und Verbesserungen zu beschreiben. Das garantiert, dass die Entwickler eine einheitliche Sprache verwenden und dass bei Aufgabenstellungen klar ist, für welchen Anwenderkreis ein Lösungsansatz definiert wird.

Neue Großanwender: Volkswagen und AT&T
Die ersten beiden Konferenztage wurden mit Keynotes eingeläutet. Das Auditorium des Convention Centers bot hierfür ausreichend Platz – im Gegensatz zum Summit in Tokio war es nicht erforderlich, die Keynotes per Video-Stream in weitere Säle zu übertragen. Neben Beiträgen der Hauptsponsoren Red Hat, Mirantis, Cisco und Intel waren auch Sprecher von bedeutenden OpenStack-Kunden bzw. -Anwendern eingeladen. Darunter waren die für OpenStack wichtigen Neuanwender Volkswagen und AT&T. Für OpenStack waren deren Vorträge ein medienwirksamer Coup, um zu zeigen, dass der Anwenderkreis weiter stark wächst, vielen Teilnehmern fehlte allerdings der technische „Tiefgang“ bei den Beiträgen. Passend zu Austin mit seiner international bekannten Musikszene wurden die Keynotes von der Band „Soul Track Mind“ begleitet, die dadurch für einen angenehm „nichttechnischen“ Rahmen sorgte.

Gartner Vortrag OpenStack Summit Austin 2016

Vortrag von Gartner auf dem OpenStack Summit 2016

Anwenderkreis ist stark gestiegen laut Umfrage
Interessant fand ich die Erkenntnisse der kurz vor der Konferenz veröffentlichten Umfrage, die Jonathan Bryce in seiner Keynote vorstellte. Laut der von OpenStack durchgeführten Studie hat mittlerweile die Hälfte aller „Fortune 500“-Unternehmen OpenStack-Umgebungen im Einsatz. Zwei Drittel dieser Installationen sind im Produktivbetrieb, was ein Plus von 33% gegenüber der letzten Umfrage bedeutet. OpenStack wird dabei primär in den Kategorien Enterprise Private Cloud, Public Cloud, Telekommunikation/NFV, Forschung und Big Data eingesetzt. Bei den Gründen für den Einsatz der Lösung gab die große Mehrheit der 1600 Befragten an, OpenStack aufgrund der Standardisierung und Offenheit gewählt zu haben.

OpenStack bedeutet auch Kulturwandel
Ein Thema, das sich durch viele der Vorträge zog, war, dass die Einführung von OpenStack nicht nur aus technologischer Sicht eine Veränderung für viele Unternehmen bedeutet. Auch Firmenkulturen und Prozesse müssen sich anpassen, z.B. manuelle Vorgänge eliminiert oder automatisiert werden. Das betrifft auch interne Richtlinien, die an die neuen Technologien angepasst werden müssen, um dem Fortschritt und den damit einher gehenden Veränderungen nicht im Weg zu stehen.

Neue App sorgt für besseres Konferenzerlebnis
Um den Teilnehmern den Überblick über das Vortragsprogramm zu erleichtern, hatte die OpenStack Foundation ihre Mobilapplikation komplett überarbeitet und damit einige der Kritikpunkte an der in Tokio eingesetzten App behoben. In meinen Augen ließ die Usability immer noch zu wünschen übrig, sie bot aber das, wofür sie ursprünglich entwickelt wurde: einen guten Überblick über das schier unüberschaubare Programm. Teilnehmern am OpenStack Summit sei empfohlen, das Vortragsprogramm bereits im Vorfeld genau zu studieren und sich die interessantesten Beiträge zu markieren – während der Konferenz bleibt meist nicht die Zeit dafür. Sicher ist die Teilnahme am Summit nicht besonders günstig, die Möglichkeit, direkt mit den Vortragenden in Kontakt zu kommen und persönliche Fragen stellen zu können, macht das Event aber sehr wertvoll.

Mirantis Vortrag OpenStack Summit Austin 2016

Vortrag von Mirantis auf dem OpenStack Summit 2016

Container und Virtualisierung gewinnen an Bedeutung
Während ein einziger klar erkennbarer Trend dieses Mal fehlte, hatten die Themen Container-Technologien und ihre Einbindung sowie die Virtualisierung und Automatisierung von Infrastrukturkomponenten, insbesondere im Netzwerkbereich, spürbar an Bedeutung gewonnen. Ich hatte den Eindruck, dass es generell mehr in Richtung praktischer Anwendungsszenarien und den daraus gewonnenen Erkenntnissen ging – die Zeit des Experimentierens weicht nun einer Phase des Austauschs der gesammelten Erfahrungen und „best practices“, was ich sehr begrüße. Anstelle der Fragestellung, ob OpenStack für bestimmte Anwendungsfälle geeignet ist, ging es dieses Mal mehr um das „wie“. Auch das zeigt, das OpenStack inzwischen in viel mehr Unternehmen praktisch eingesetzt wird als noch beim letzten Summit.

Weite Wege
Im Gegensatz zum Tokio Summit erlebte ich in Austin erfreulicherweise mit nur einer Ausnahme, dass Vortragsräume aufgrund von Überfüllung geschlossen werden mussten. Die meisten Räume waren ausreichend groß, dafür kam es häufig vor, dass man zwischen den Vorträgen einmal quer durch das Konferenzzentrum oder sogar ins benachbarte Hilton laufen musste, was in den 10 Minuten Pause aufgrund der großen Distanzen mitunter eine Herausforderung war. In Gesprächen mit OpenStack-Entwicklern wurde außerdem deutlich, dass die Größe der Konferenz in Kombination mit dem parallel stattfindenden Design Summit für viele Entwickler eine Doppelbelastung darstellte und es daher Diskussionen gibt, ob man die beiden Events nicht voneinander trennen sollte.

Gleich eine ganze Straße hatte OpenStack für das Social Event am Dienstagabend gebucht. Auf der Rainey Street nahe des Konferenzzentrums boten viele Bars und Restaurants die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu bekommen und die ein oder andere Frage persönlich zu klären. Mehrere Live-Bands und Comedy-Einlagen waren genau das Richtige, um nach einem intensiven Konferenztag etwas abzuschalten.

Ceph Vortrag OpenStack Summit Austin 2016

Ceph-Entwickler präsentierten das neue „long-term support“ Release.

Neues Ceph-Release präsentiert
Die für mich spannendsten Vorträge und Workshops beschäftigten sich mit Ceph. In der Woche zuvor hatten die Ceph-Entwickler bei Red Hat das neue „long-term support“ Release „Jewel“ freigegeben. Neben diverser Performance-Verbesserungen gehört sicher die offizielle Freigabe des Dateisystems „CephFS“ zu den Highlights der Version. Auch die Integration von Ceph in OpenStack wurde weiter voran getrieben – Ceph ist im Bereich Block Storage mit 57% der OpenStack-Installationen unangefochten die Nummer eins, gefolgt von „klassischen“ LVM-Setups unter Linux mit 28%.

Neben reinen Technologiethemen gab es auch Panel-Diskussionen zu „soften“ Themen. So besuchte ich eine Diskussion zum Thema Open Source Business-Modelle und Best Practices im Aufbau von Open Source-Communities. Besonders spannend, gerade mit Blick auf unser Open Source-Projekt openATTIC, fand ich die Tatsache, dass der Beruf des „Community Managers“ immer noch über keine konkrete Arbeitsbeschreibung verfügt. Auch ist selten klar, welchem Bereich des Unternehmens eine solche Person zugeordnet werden soll. Ähnlich wie Produktmanagement handelt es sich um eine interdisziplinäre Rolle, deren Schwerpunkt auf der Kommunikation zwischen vielen unterschiedlichen Interessengruppen liegt.

Keynote Chart OpenStack Summit Austin 2016

Alle Highlights des OpenStack Summit auf einen Blick

Fazit: Anwenderkreis und Community sind weiter stark gewachsen
Neben vielen anderen Dingen wurde auf dem Summit vor allem eines klar: Die OpenStack-Entwickler haben es trotz ihres ständig weiter wachsenden Projekts geschafft, die Community nicht zu vernachlässigen und weitere Mitglieder zu begeistern. Die OpenStack-Technologie ist sicher nicht perfekt, gerade hinsichtlich des benötigten Fachwissens. Das Projekt hat aber mittlerweile einen Stand erreicht, der den Anforderungen im produktiven Einsatz Genüge tragen kann. Der Open Source-Aspekt motiviert die Entwickler, ambitioniert bei der Sache zu sein und sich nicht davor zu scheuen, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Aus Anwendersicht führt das mitunter zu einschneidenden Veränderungen, mit denen man sich auseinander setzen muss. Klar ist, dass eine OpenStack-Umgebung nichts ist, was einmal aufgesetzt für einen langen Zeitraum unverändert Bestand hat – der Trick ist, mit dem Strom zu schwimmen und immer wieder graduell auf dem aktuellen Stand der Entwicklung zu bleiben. Nicht nur die vielen Berichte von großen Anwendern zeigten, dass OpenStack inzwischen DIE Alternative zu proprietären Cloud-Technologien ist und sich der weitere Fortschritt und Erfolg des Projekts nicht mehr aufhalten lässt.

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Nachtrag: Das openATTIC-Projekt ist zusammen mit dem Storage-Bereich der it-novum zum November 2016 an SUSE übergegangen. SUSE wird openATTIC zum Management-Frontend für die Verwaltung von Ceph-Clustern weiterentwickeln.

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Lenz Grimmer ist Team Lead Product Management & Development für unsere Software-Defined Storage-Plattform openATTIC. Lenz ist seit seinem Informatikstudium Mitte der neunziger Jahre mit dem Linux/Open Source Virus infiziert und seitdem im Linuxbereich unterwegs: als Entwickler für SUSE Linux und MySQL AB, als Community Relations Manager für MySQL und als Product Manager für die Oracle Linux Distribution und die Sync & Share – Lösung TeamDrive. Als openATTIC Product Manager unterstützt Lenz bei der Weiterentwicklung von openATTIC und dem Ausbau des Anwender- und Kundenkreises.

Webprofile von Lenz: Blog, Google+, XING.

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