Leitfaden für die Einführung einer Cloud im Unternehmen – Teil 4: Parallelen zwischen Cloud und Open Source

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18.11.2014ǀ ǀ Cloud

20140823_202442„In a way, open source and the cloud are the same thing“, hat John Roberts, Mitgründer und ehemaliger CEO von SugarCRM einmal gesagt. Das ist vielleicht etwas überspitzt, trifft aber insofern zu, als es durchaus etliche Parallelen zwischen den Prinzipien von Open Source-Software und dem Betrieb von Cloud-Lösungen gibt. Sie ahnen es schon: nachdem sich die vorangegangenen Beiträge dieser Serie vor allem mit der IT-Infrastruktur und ihrer Organisation beschäftigt haben, geht es hier um die Rolle, die Open Source bei der Einführung einer Cloud spielt.

Open Source und der Cloud ist gemeinsam, dass sie große Flexibilität bei der Anpassung an spezielle Anforderungen bieten. Nicht umsonst sind die erfolgreichsten und fortschrittlichsten Cloud Frameworks allesamt Open Source-Lösungen. Schon die ersten Cloud-Lösungen wurden vor vielen Jahren von Communities entwickelt. Lange, bevor kommerzielle Anbieter den Bedarf und den damit verbundenen Markt erkannten. Bis heute kann es keine proprietäre Lösung mit dem Funktionsumfang und dem Reifegrad von Open Source-basierten Frameworks aufnehmen.

overall view of the changes to the source codeOpen Source ist der Standard für die Cloud
Die Palette der offenen Lösungen ist breit. Neben cloud-orientierten SaaS-Projekten wie ownCloud oder SugarCRM sind mittlerweile mächtige Allround-Frameworks entstanden: OpenStack, openQRM, CloudStack und openNebula, um nur einige zu nennen. Sie decken – abhängig vom Projekt – alle Teilbereiche des Cloud-Managements ab. Das momentan größte Projekt ist inzwischen auch der De-facto-Standard in diesem Bereich: OpenStack. Seine herausragende Stellung hat das Projekt einerseits seinem großen Funktionsumfang und andererseits der hochprofessionell arbeitenden Community zu verdanken. Mit regelmäßigen Release-Zyklen, sehr ausgereifter Qualitätssicherung und einem schnellen und zuverlässigen Bug-Fixing steht die Qualität von OpenStack der von kommerziellen Software-Lösungen in nichts nach.

Einige der führenden und weltweit agierenden IT-Unternehmen wie Red Hat, IBM, HP oder der innovative Cloud-Dienstleister Mirantis beteiligen sich an der Entwicklung von OpenStack. Welchen Anteil die jeweiligen Firmen daran haben, lässt sich gut an den untenstehenden Grafiken zur Quellcode-Entwicklung ablesen. Daran erkennt man auch, dass das Verhältnis sehr ausgewogen ist. Ein hoher Community-Anteil schützt das Projekt vor übermäßiger Kommerzialisierung, während die professionelle Unterstützung langfristige Stabilität und businesstauglichen Support garantiert. Eine ideale Kombination, die man selbst bei länger etablierten Open Source-Projekten selten findet.

Open Source als Cloud Storage
Alle Vorteile, die Open Source im Cloud-Bereich so stark machen, gelten genauso für das Teilsegment der Software-Defined Storage (SDS). Zwar haben auch proprietäre Hersteller das SDS-Konzept mittlerweile aufgegriffen, doch können die meisten Anbieter bis heute nicht mit den Open Source-Lösungen mithalten. Der Entwicklungsvorsprung der quelloffenen Projekte ist einfach zu groß.

Das Open Source Storage-Projekt openATTIC ist entstanden, um die in den vorangegangenen Blogbeiträgen ausgeführten Herausforderungen an ein Storage in einer Cloud-Umgebung zu meistern. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Open Source Tools ist ein Storage Framework entstanden, das sowohl die Anforderungen an ein Unified Storage-System abdeckt als auch die Massenbereitstellung von Speicher in einer Cloud-Umgebung unterstützt. Schnittstellen zu vielen Applikationen (z.B. OpenStack und VMware) und Datenbanken (u.a. Microsoft Exchange und SQL) erlauben eine nahtlose Integration in die IT-Landschaft. Der modulare Aufbau des Frameworks ermöglicht zudem kundenspezifische Weiterentwicklungen und die einfache Bereitstellung neuer Funktionen. Neben dieser Flexibilität zeichnet sich openATTIC außerdem durch eine offene API aus, die seit der ersten Code-Zeile des Frameworks ausgebaut wird und eine sehr umfangreiche Automatisierung erlaubt. Projekte wie openATTIC sind damit der nächste Schritt in der Storage-Entwicklung – von Unified Storage-Systemen über Software-Defined-Storage bis zu „Smart SDS“.

Im 5. und letzten Teil der Cloud-Serie erkläre ich dann, welche Stolpersteine auf dem Weg in die eigene Cloud lauern und wie Sie diese Klippen von vornherein großzügig umschiffen.

 

Leitfaden für die Einführung einer Cloud im Unternehmen – Teil 1: Einleitung

Leitfaden für die Einführung einer Cloud im Unternehmen – Teil 2: Fünf Fragen für die Planungsphase

Leitfaden für die Einführung einer Cloud im Unternehmen – Teil 3: Computing, Networking, Storage

Nachtrag: Das openATTIC-Projekt ist zusammen mit dem Storage-Bereich der it-novum zum November 2016 an SUSE übergegangen. SUSE wird openATTIC zum Management-Frontend für die Verwaltung von Ceph-Clustern weiterentwickeln.

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Steffen Rieger – Director Infrastructure & Operations
Steffen Rieger leitet den Bereich Infrastruktur bei it-novum. Das umfasst den strategischen Vertrieb von Open Source Datacenter-Lösungen, den Betrieb der Rechenzentren der Konzerngruppe sowie die Leitung diverser operativer Teams.