Leitfaden für die Einführung einer Cloud im Unternehmen – Teil 1

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30.09.2014ǀ ǀ Cloud
Entscheidungshilfe Cloud

Entscheidungshilfe Cloud

Clouds markieren einen Wendepunkt für IT-Infrastrukturen. Aktuellen Studien zufolge setzen sich inzwischen 72 Prozent der IT-Betreiber intensiv mit dem Thema Cloud auseinander und planen einen Umstieg auf das neue Betriebsmodell. Dass das nicht einfach ist, merkt jeder, der sich damit beschäftigt. Die große Unsicherheit bei den verschiedenen Cloud-Modellen und in der Frage, „Welches ist das Richtige für mich?“, spüren wir oft bei unseren Kunden. Deshalb wollen wir mit dieser Blogserie eine kleine Hilfestellung für die Suche nach dem richtigen Cloud-Modell liefern.

Im ersten Beitrag möchte ich zunächst auf die Prozessseite eingehen: Die Umstellung auf die Cloud erfordert auch einen Wechsel der Denk- und Arbeitsart im Unternehmen. Es ist daher wichtig, sich dem Thema zuerst von der organisatorischen Seite her zu nähern.

Private Cloud versus Public Cloud
Cloud-Lösungen haben viele Vorteile: Flexible Ressourcenverteilung, fast unbegrenzte Skalierbarkeit, hohe Automatisierung, deutlich verkürzte Bereitstellungszeiten und vor allem transparente und optimierte Betriebskosten. Das klassische Cloud-Modell, die Public Cloud, hat jedoch auch Nachteile. Die Übertragung der eigenen IT-Umgebung an einen Cloud-Dienstleister setzt ein hohes Maß an Planung, Service Level Agreement-Management (SLA-Management) und nicht zuletzt auch Vertrauen voraus. Datenschutzbestimmungen sowie die Angst vor der Preisgabe sensibler Entwicklungsdaten oder Patente machen diesen Schritt manchmal sogar unmöglich.

Hier setzt das Betriebsmodell der Private Cloud an. Die Anforderungen sind dieselben wie bei einem Public Cloud-Modell, jedoch wird die Plattform nur für einen einzigen Kunden betrieben. Das macht in der Regel die hauseigene IT im eigenen Rechenzentrum, sodass sensible Daten nicht Dritten anvertraut werden müssen.

Die Entscheidung für eine Private Cloud löst also weitgehend die Probleme des Datenschutzes und der Abhängigkeit vom externen Dienstleistern. Ein erfolgreicher Projektverlauf ist trotzdem von verschiedenen Faktoren abhängig. Bei Cloud-Projekten gilt stärker als bei anderen IT-Projekten: Je ausführlicher die Planung, desto besser das Ergebnis.

Herausforderung für alle Abteilungen
Der Umstieg auf ein Cloud-Betriebsmodell ist in vieler Hinsicht nicht mit anderen IT-Projekten vergleichbar. Besonders beim Projektstart geht es nur sekundär um die Beschaffung von Ressourcen oder die Implementierung von Lösungen. Mit dem Gang in die Cloud verändern sich die Anforderungen an die Denk- und Arbeitsweise der IT-Abteilung (und anderer Fachbereiche). Daher müssen bereits in einer sehr frühen Phase organisatorische Aspekte geprüft und angepasst werden. Die folgenden drei Fragen sind meinem Erachten nach dafür besonders wichtig:

1.    Sind die Unternehmensprozesse Cloud-tauglich?
Der große Mehrwert einer Cloud-Umgebung ist die Flexibilität, die man dadurch gewinnt.  Allerdings ist das erst möglich, wenn die Prozesse im Unternehmen so gestaltet sind, dass sie es erlauben, diese Flexibilität zu nutzen, ohne dass der Ressourcenbedarf explodiert. Um diesen Spagat bewältigen zu können, ist es empfehlenswert, die folgenden Prozesse genauer zu prüfen:

  • Beschaffungsprozesse: Die Beschaffung neuer Ressourcen muss pragmatisch, aber trotzdem kostenoptimiert erfolgen.
  • Freigabeprozesse: Die Freigabe von Ressourcen innerhalb der Cloud sollte an einer zentralen Stelle erfolgen, die zum einen die Relevanz der Anfragen und zum anderen die daraus entstehenden Kosten objektiv beurteilen kann. Nicht immer kann die IT-Abteilung diese Entscheidungen treffen. Häufig kann auch ein Berechnungsmodell, wie zum Beispiel eine abteilungsübergreifende Leistungsverrechnung, für eine ausreichende Selbstregulierung sorgen.
  • Ressourcenrückgabe: Ebenso wichtig wie die Freigabe von Ressourcen ist auch die Rückgabe nicht mehr benötigter Kapazitäten. Nichts ist teurer als reservierte, aber ungenutzte Ressourcen. Indem man Ablaufzeitpunkte schon bei der Anfrage definiert oder auch hier eine zentrale Überwachungsstelle schafft, lässt sich eine Ressourcenrückgabe effizient umsetzen. Auch hier ist es sinnvoll, eine interne Leistungsverrechnung einzuführen.

2.    Lassen sich Abläufe durch eine gezielte Standardisierung vereinfachen?
Eine Cloud lebt von Automatisierung. Automatisierung setzt Standardisierung voraus. Das bedeutet: Extrawürste sind teuer! Sie erhöhen den Aufwand bereits bei den Anfrage- und Freigabeprozessen, sind umfangreicher bei der Ausführung, müssen anders gewartet werden und machen Desaster-Recovery-Pläne und Backup-Konzepte aufwändiger. Betrachtet man diesen Mehraufwand, ist es keine Seltenheit, dass es günstiger ist, eine Software-Lizenz auf einen Server auszurollen (obwohl sie nicht benötigt wird), als dafür eine Ausnahme zu definieren. Es lohnt sich deshalb, Anforderungsgruppen und Standards durchgängig zu definieren. Unter anderem sollten dabei die folgenden Bereiche berücksichtigt werden:

  • Server-Installationen (Betriebssystemdistributionen, Versionen, Installationsumfänge etc.)
  • Benutzerrollen und -berechtigungen
  • Client-Installationen/virtuelle Desktops

3.    Von welchem Ressourcenbedarf und Wachstum ist auszugehen?
So flexibel eine Cloud-Umgebung auch ist, eine möglichst genaue Abschätzung des Ressourcenbedarfs und ein dauerhaftes Kapazitätenmanagement sind unerlässlich, um Engpässe auszuschließen. Bei der Berechnung der Größe der Umgebung sollte man sich daher die folgenden Fragen stellen:

  • Wie viele Ressourcen werden im Normalbetrieb benötigt?
  • Gibt es saisonale Anforderungsspitzen, die berücksichtigt werden müssen (z.B. das Weihnachtsgeschäft)?
  • Wie schnell muss ein neuer Ressourcenbedarf abgedeckt werden können?
  • Wie groß ist das normale Wachstum des Bedarfs?

Insbesondere aus den zwei letzten Fragen lässt sich der notwendige Bedarf an Reserven ableiten. Die Faustregel lautet: Je schneller neue Anforderungen abgedeckt werden müssen, desto größer sollte die Reserve ausgelegt sein.

Abschließend zum ersten Teil der Serie möchte ich Ihnen noch kurz diesen Hinweis mitgeben: Bei sich sehr stark verändernden Anforderungen kann es lohnenswert sein, die Private Cloud um Bestandteile einer Public Cloud zu ergänzen. Diese Mischform wird auch als Hybrid Cloud bezeichnet und gibt zusätzliche Flexibilität bei der Ressourcenbeschaffung. Man sollte diesen Weg jedoch mit Bedacht wählen, da es sich um ein heterogenes Konzept handelt und den administrativen Aufwand erhöht (unterschiedliche Prozesse, andere Backup-Lösungen etc.).

Der zweite Teil der Serie beschäftigt sich mit den Anforderungen, die die IT hat, so muss u. a. das Arbeitskonzept angepasst werden, aber auch die Prozesse innerhalb der IT müssen überarbeitet werden.

Steffen Rieger - Director Infrastructure & Operations
Steffen Rieger leitet den Bereich Infrastruktur bei it-novum. Das umfasst den strategischen Vertrieb von Open Source Datacenter-Lösungen, den Betrieb der Rechenzentren der Konzerngruppe sowie die Leitung diverser operativer Teams für Consulting, Development und Support mit den Schwerpunkten Monitoring, Servicemanagement und Business Critical Computing. Nach 15 Jahren Erfahrung in diesem Bereich ist Steffen aber immer noch mit Leidenschaft als Open Source Enterprise Architekt an der Front unterwegs, regelmäßig auf Konferenzen und Symposien zu hören und als Experte der Computerwoche aktiv. Die Open Source-Projekte openITCOCKPIT und openATTIC hat er federführend mitentwickelt.
Webprofile von Steffen: Twitter, XING, Google+

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