Künstliche Intelligenz als ethische Herausforderung

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Zwei Frauen denken nach

Digital Ethics erhält zunehmend Bedeutung in der IT

Künstliche Intelligenz hat das Potential, die Welt entscheidend zu verändern. Deshalb kann ihre Entwicklung nicht ausschließlich in einem technologischen Rahmen stattfinden, sondern muss sich auch mit ethischen Fragen auseinandersetzen. In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit der klassischen Frage nach dem guten Handeln in der KI.

KI, künstliche Intelligenz, prägt den unternehmerischen wie privaten Alltag immer mehr. Die Tatsache, dass das Thema Digital Ethics inzwischen auch im Gartner Hype Cycle für KI genannt wird, zeigt, dass es zu Recht immer wichtiger wird: es zeigt Grenzen der Entwicklung auf, bietet aber auch neue Chancen und Erkenntnisse.

Einige bekannte Beispiele für ethische Probleme der KI sind der Cambridge-Analytica-Skandal im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf, die Tesla-Unfälle mit eingeschaltetem Autopiloten oder die Diskriminierung afroamerikanischer US-Bürger durch KI-Systeme, z.B. bei der Zuteilung medizinischer Versorgung.

Was ist gutes Handeln?

Entwicklung von KI bewegt sich also nicht nur auf einem technologiegetriebenen Hype Cycle, sondern muss sich auch mit der klassischen Frage nach dem guten Handeln auseinandersetzen – und die damit einhergehenden ethischen Herausforderungen betreffen die Entwickler besonders. Zu der technischen und der wirtschaftlichen Perspektive tritt die ethische Perspektive hinzu.

KI, wie sie heute verwendet wird, ist bereits ein Akteur, indem sie Entscheidungen vorbereitet, beeinflusst oder selbst trifft. Doch das Ergebnis ist nicht immer gut, wie bspw. bei Tesla zu sehen ist. Und was heißt es eigentlich, eine gute Entscheidung zu treffen?

Eine Hilfe hierbei kann Digital Ethics sein – die allerdings m.E. kein Hype auf dem Cycle von Gartner ist, sondern ein dringend notwendiges Unterfangen bei der Digitalisierung darstellt.

Digitale Ethik macht sich aus verschiedenen philosophischen Perspektiven Gedanken zu genau dieser Frage nach dem guten Handeln im digitalen Kontext. Das Konzept liefert bereits hilfreiche Hinweise und Tipps, wie KI-Entwicklung ethisch gestaltet werden kann.

Ethics by Design

Ein Ansatz hier ist „Ethics by Design“, also der Versuch, die Ethik direkt im Softwaredesign zu berücksichtigen. Das erfordert, die Ziele des Entwicklungsprozesses anzupassen und immer neu in eine Review zu nehmen. Konkrete Ziele können z.B. Diskriminierungsfreiheit oder Gerechtigkeit sein. Damit ethisches Design in der Praxis gelingt, müssen diese Werte, nach denen sich das Produkt ausrichtet, klar und reflektiert sein.

Ein Beispiel für wertgerichtetes Design sind die Produkte von Fairphone. Neben der Wirtschaftlichkeit werden hier die Werte Nachhaltigkeit und Fairness in den Handelsketten verfolgt. Auch wenn die einzelnen Werte immer wieder in Konflikt miteinander geraten und in ein Verhältnis zueinander gebracht werden müssen, gelingt es dem Unternehmen doch, mit guten Werten erfolgreich zu sein.

Ethics by Design lässt sich in weitere Teilbereiche aufgliedern: Privacy by Design, Safety by Design, Security by Design, Positive Freedom by Design und Transparency and Explainability by Design. Alle diese Teilbereiche sind herausfordernd und teils schwierig umzusetzen, z.B. die Transparenz der Entscheidungen eines neuronalen Netzwerks zu gewährleisten.

Würden digitale Systeme und Services mit […] Wertzielen von Anfang an konzipiert werden, dann könnte man davon ausgehen, dass sich diese hinterher auch in den so gebauten Din-gen und ihrer Nutzung manifestiert (Spiekermann 2019).

Aus dem „würden“ bei Spiekermann muss ein „werden“ werden – so kann KI schon von der Entwicklung an die Welt entscheidend verändern: zum Guten.

Quellen:

  • Gartner Hype Cycle for Artifical Intelligence, 2019: https://blogs.gartner.com/smarterwithgartner/files/2019/08/CTMKT_736691_Hype_Cycle_for_AI_2019.png, zuletzt abgerufen: 10.07.2020, 18:30 Uhr
  • Spiekermann, Sarah: Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert, München 2019 (Spiekermann 2019)

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Christoph Acker - Data Scientist
Fragen der Ethik beschäftigen Christoph Acker seit Beginn seiner Laufbahn: nach einem Bachelor in Mathematik studierte er katholische Theologie und arbeitete später sowohl als IT Consultant als auch als Diakon. Im Moment promoviert er über ethische Fragen der künstlichen Intelligenz. XING