Ein Jahr openATTIC-Entwicklung

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17.08.2016ǀ ǀ Open Source
Rückblick auf ein Jahr openATTIC-Entwicklung

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr

Letzten Monat ist es genau ein Jahr her, dass ich zu it-novum wechselte, um das openATTIC-Projekt zu leiten. Wie die Zeit verfliegt, wenn man an spannenden Aufgaben arbeitet! Ich hatte die Stelle mit dem Ziel angetreten, die Entwicklung der Storage-Plattform offener zu gestalten und die Community auszuweiten und stärker einzubinden.
Wenn ich mir das positive Feedback in den openATTIC-Kommunikationskanälen ansehe, sind wir auf dem richtigen Weg. Zeit, einen Blick zurückzuwerfen.

Den vermutlich wichtigsten Schritt machten wir mit der Veröffentlichung der Codebasis unter der GPLv2-Lizenz im September letzten Jahres, mit dem wir die Unterteilung von openATTIC in eine Enterprise und eine Community Edition abschafften. openATTIC gibt es also nur noch in einer Version, die sich jeder frei und ohne Einschränkungen auf der Projektseite herunterladen kann.

Eine zweite große Veränderung betraf das Einreichen von Patches. Mussten Entwickler früher noch ein Contributor Licence Agreement unterzeichnen, genügt es jetzt, Patches zu unterschreiben (wie es das Linux Kernel-Projekt und viele weitere auch tun). Damit hat sich auch unser Geschäftsmodell geändert: anstatt Softwarelizenzen zu verkaufen, konzentrieren wir uns jetzt darauf, Dienstleistungen und Support für openATTIC anzubieten. Derzeit arbeiten wir noch an den entsprechenden Support-Modellen und Software-Subskriptionen.

Auf mehreren Konferenzen präsentierten wir openATTIC

Auf mehreren Konferenzen präsentierten wir openATTIC

Prozesse neu definieren

In den letzten Monaten haben wir einiges an unseren Prozessen und Arbeitsweisen geändert, um die Entwicklung der Codebasis zu beschleunigen und ihre Qualität zu verbessern. So konsolidierten wir den Code verschiedener Komponenten wie Dokumentation, Test-Suiten und frühere „Enterprise“-Features in einem einzigen Mercurial-Repository. Das vereinfacht die Entwicklung und den Release-Prozess von openATTIC, weil Änderungen, die alle diese Komponenten betreffen, schneller eingereicht werden können. Dabei hilft die Einführung eines Stable/Development-Zweigmodells in Mercurial und die Verwendung einer Jenkins-Instanz als „Gatekeeper“. So stellen wir sicher, dass Änderungen erst dann in den Default-Zweig einfließen, wenn alle Tests durchlaufen wurden. Theoretisch ist es dadurch möglich, jederzeit ein lauffähiges und sicheres Release vom Default-Zweig aus zu veröffentlichen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Stable-Zweig die Codebasis für unsere Live Demo darstellt und openATTIC so zusätzlich getestet wird.

Neu ist auch der monatliche Releasezyklus. Entwickler müssen dadurch maximal vier Wochen warten, bis ihre Arbeit in openATTIC integriert ist, und Anwender profitieren monatlich von den Bug Fixes und neuen Funktionen.

Verbesserungen an der Infrastruktur

Um den Code weiter zu verbessern, haben wir unsere Entwicklungsprozesse komplett geöffnet: Auf Jira kann jeder unsere Arbeit (Bugs, neue Funktionen, Verbesserungen) mitverfolgen. Wer Änderungen in den Code einbringen möchte, kann dies über öffentliche Pull-Anfragen und Code-Prüfungen vorschlagen.

Für eine bessere Zusammenarbeit mit Entwicklern und Anwendern haben wir unsere Projektinfrastruktur erweitert: neben einem Mumble-Server nutzen wir Etherpad sowie eine Google Group, um neue und bestehende Features zu diskutieren. Um auch direkt Kontakt zur Anwendergemeinde aufzunehmen, waren wir auf einer Reihe von Veranstaltungen und Konferenzen und sammelten viel wichtiges Feedback ein.

Gemeinsam mit SUSE entwickeln wir Ceph-Funktionalitäten

Gemeinsam mit SUSE entwickeln wir Ceph-Funktionalitäten

SUSE: gemeinsame Arbeit an Ceph Management

Unsere Bemühungen, openATTIC weiter für die Community zu öffnen und diese aktiv zu stärken, haben erste Früchte getragen. So wurde SUSE Ende letzten Jahres auf openATTIC aufmerksam und entschied sich, gemeinsam mit uns an Managementfunktionalitäten für Ceph zu arbeiten und openATTIC in die SUSE Linux-Plattform zu integrieren. Unsere Ankündigung stieß bei den Medien auf positive Resonanz, denn die Branche wartet schon länger auf ein Managementfrontend zur Verwaltung von Ceph-Clustern. Im SUSE-Blog legte ich deshalb dar, wie wir uns die Gestaltung und Entwicklung der Ceph-Integration vorstellen.

Zu der sehr intensiven Entwicklungs(zusammen)arbeit mit SUSE, die im Februar begann, gehörten neben regelmäßigen Treffen mit SUSE-Entwicklern in Nürnberg auch eine Hackweek und Präsentationen auf verschiedenen Konferenzen. So stellte ich die Ceph-Integration von openATTIC auf der Vault – Linux Storage and Filesystems Conference, der openSUSE Conference, den Ceph TechTalksSUSE Monthly Open Source Talks und Chemnitzer Linuxtagen vor. Für das Winterhalbjahr planen wir gemeinsame Vorträge auf dem OpenStack Summit und der LinuxCon Australia.

Sicher ist es auch diesen Veranstaltungen zu verdanken, dass erste Hardware-Hersteller Gespräche mit uns über die Bündelung ihrer Lösungen mit openATTIC aufgenommen haben. Unser Ziel ist es, vorinstallierte Appliances anzubieten.

Vergrößerung der Community

Besonders freut mich, dass wir unsere Community vergrößern konnten. Der Chatkanal und die Google-Gruppe nahmen in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf und wir erhielten viel positives Feedback und Entwickleranfragen. Aus diesem Grund erstellten wir eine Übersicht von „Low-Hanging Fruit Tasks“, um jedermann/frau die Möglichkeit zu geben, an openATTIC mitzuentwickeln. Die ersten Code-Patches von externen Entwicklern haben wir bereits erhalten und aufgenommen!

Inzwischen ist unsere Community global: eine Gruppe von Entwicklern aus Malaysia ist an den Ceph Management-Funktionalitäten interessiert und testet derzeit openATTIC. Vier Studenten aus dem indischen Pune werden im Rahmen eines Forschungsprojekts an openATTIC mitentwickeln.

Das alles sind tolle Nachrichten, die uns zeigen, dass unsere Änderungen und Verbesserungen in die richtige Richtung gehen. Noch sind wir erst am Anfang, aber die ersten Erfolge sind sehr vielversprechend. Ich freue mich darauf, mit einer wachsenden Community von Anwendern und Entwicklern openATTIC weiterzuentwickeln. Wer uns persönlich kennenlernen will: wir sind auf der FrOSCon am 20./21. August mit einem Stand und Vortrag vertreten.

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Nachtrag: Das openATTIC-Projekt ist zusammen mit dem Storage-Bereich der it-novum zum November 2016 an SUSE übergegangen. SUSE wird openATTIC zum Management-Frontend für die Verwaltung von Ceph-Clustern weiterentwickeln.

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Lenz Grimmer ist Team Lead Product Management & Development für unsere Software-Defined Storage-Plattform openATTIC. Lenz ist seit seinem Informatikstudium Mitte der neunziger Jahre mit dem Linux/Open Source Virus infiziert und seitdem im Linuxbereich unterwegs: als Entwickler für SUSE Linux und MySQL AB, als Community Relations Manager für MySQL und als Product Manager für die Oracle Linux Distribution und die Sync & Share – Lösung TeamDrive. Als openATTIC Product Manager unterstützt Lenz bei der Weiterentwicklung von openATTIC und dem Ausbau des Anwender- und Kundenkreises.
Webprofile von Lenz: Blog, Google+, XING.

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