Interview: „Open Source ist in den Unternehmen angekommen“

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Dirk Seiffert, Account Manager it-novum

Dirk Seiffert, Account Manager it-novum

Seit Anfang des Jahres verstärkt Dirk Seiffert als Account Manager unseren Infrastrukturbereich. Dirk ist ein „alter Hase“ im Open Source-Geschäft: von der Einführung von Linux in der Hotelbranche wirkte er in mehreren Community-Projekten mit und arbeitete zuletzt für die OTRS AG. Ich habe mich mit Dirk über seine Aufgaben bei it-novum sowie die Bedeutung von Open Source unterhalten.

Dirk, wer bist du?
Ich bin geboren und aufgewachsen in Marburg, Oberhessen. Seit kurzem lebe ich in der schönen Rhön. Meine Hobbies sind somit Schnee schippen und Holz hacken 🙂

Seit fast 2 Jahrzehnten bin ich mit Open Source im professionellen Einsatz beschäftigt. Ich war Gründer und Geschäftsführer zweier Firmen, die Dientleistungen rund um Linux und FreeBSD angeboten haben: Festplattenlose Linux-Desktops in Großkanzleien, Open Source ERP-Systeme, komplette ISPs, Infrastruktur für Hotelketten, Versicherungen und Behörden u.v.m.

In den letzten Jahren ging es bei mir beruflich um IT Service Management: Vor meinem Eintritt bei it-novum habe ich bei der OTRS AG Kunden aus der EMEA Region betreut.

Was werden deine Aufgaben bei it-novum sein?
Als Account Manager für unseren ITSM Stack werde ich mich insbesondere um Kundenprojekte rund um unsere Monitoring-Plattform openITCOCKPIT kümmern. Die Integration mit weiteren Komponenten wie OTRS und idoit gehören auch zu meinem Bereich.

Besonders spannend finde ich persönlich Projekte rund um Schnittstellen. Bei it-novum setzen wir auf Open Source Tools. Als etablierter Dienstleister verfügen wir allerdings auch über Knowhow in der Integration von Open Source mit Closed Source: Das Monitoring von SAP-Systemen über openITCOCKPIT, die Verarbeitung von Auftragsdaten und das Synchronisieren von Arbeitszeiten zwischen OTRS und SAP sind nur einige Beispiele. Für mich ist es ein echter Mehrwert, Tür an Tür mit Experten aus den unterschiedlichsten Diziplinen zu arbeiten: Das bedeutet kurze Wege zu wertvollen Informationen. Meine Aufgabe bei it-novum ist es, dieses Wissen zu bündeln, um unsere Kunden bei ihren Projekten zu unterstützen.

Was verbindet dich mit Open Source/was bedeutet für dich Open Source?
Seit 1997 befasse ich mich mit Linux. Ich war damals Manager eines Backpackerhotels in der Karibik. Internet war damals tatsächlich noch Neuland und ich hatte noch nie einen Computer besessen. Weil die Kunden nach Internetnutzung fragten, investierten wir in zwei neue Pentium I, einen gebrauchten 486er und ein Modem. Ein Freund schickte einige CDs mit Red Hat 5.2. und zwei Zettel mit einer Anleitung. Den KDE 1 Desktop musste ich aus den Sourcen kompilieren. SquidProxy, NAT, Netscape Navigator, ICQ Chat waren die wichtigsten Komponenten. Nach ein paar Tagen lief alles und ich war plötzlich zum Linux-Experten geworden. Und der alte 486er hat dann mehr Umsatz generiert als ein Hotelbett!

Über viele Jahre war ich neben meinen geschäftlichen Aktivitäten auch sehr aktiv in Community-Projekten: so z.B. in Foren und Mailinglisten und ich habe für mehrere Projekte beispielsweise Lokalisierungen geliefert. Wir haben auch lokale Projekte gesteuert: Ich war Mitgründer und Direktor der „Asociacion Promotora de Software Libre Del Caribe“ und einer der Mitinitiatoren von FLISOL.

Auf meinen privaten Computern läuft auch heute noch Linux. Gelegentlich öffne ich ein Terminal Window, feuere ein paar Kommandos los und erinnere mich an alte Zeiten….

Welche Richtung wird Open Source deiner Meinung nach in den nächsten Jahren einschlagen?
Für die nächsten Jahre erwarte ich weiterhin ein deutliches Wachstum im Einsatz von Open Source, getrieben insbesondere einer gestiegenen Nachfrage nach Cloud-Lösungen, Virtualisierung und dem Internet der Dinge. Ein weiteres Wachstum benötigt aber auch tragbare Geschäftsmodelle: Auch Open Source-Hersteller müssen Profite erzielen, um in die Weiterentwicklung investieren zu können.

Auf jeden Fall ist Open Source in den Unternehmen angekommen. Nur noch wenige Entscheidungsträger machen die Frage „Open“ oder „Closed“ Source zu einer prinzipiellen Frage: In den Unternehmen kennt und akzeptiert man meiner Erfahrung nach die Open Source-Lizenzmodelle und hat nur noch selten Vorbehalte. Wichtiger als das Lizenzmodell ist hier das Vertrauen in den Anbieter: Gibt es einen qualifizierten Support? Welche Referenzprojekte gibt es? Wird der Anbieter in 5 Jahren noch auf dem Markt sein? Was passiert mit unseren Daten, wenn der Vertrag ausläuft? Diese Fragen müssen allerdings auch proprietäre Anbieter vernünftig beantworten können, Open Source-Anbieter haben aber meistens die besseren Antworten.

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Steffen Rieger – Director Infrastructure & Operations
Steffen Rieger leitet den Bereich Infrastruktur bei it-novum. Das umfasst den strategischen Vertrieb von Open Source Datacenter-Lösungen, den Betrieb der Rechenzentren der Konzerngruppe sowie die Leitung diverser operativer Teams.

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