Interview: openATTIC vereinfacht das Handling von Ceph

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22.02.2016ǀ ǀ CloudNachgefragt
Lars Marowksy-Brée ist bei SUSE für die technische Leitung und Vision für die Entwicklung von SUSE Enterprise Storage zuständig

Sparringspartner für die Weiterentwicklung von openATTIC: Lars Marowksy-Brée (SUSE)

Vor kurzem saß ich mit Lars Marowsky-Brée von SUSE zusammen, um über unsere neue Zusammenarbeit bei openATTIC  zu sprechen. Wir sprachen über Ceph, die gemeinsame Arbeit an Open Source-Projekten und warum SUSE openATTIC als Management-Frontend für SUSEs Storage-Lösungen ausgewählt hat.

Lenz Grimmer: Nachdem unsere Zusammenarbeit verkündet wurde, glaube ich, dass es gut wäre, über die Hintergründe der Partnerschaft zu sprechen. Fangen wir doch mit dir an: was ist deine Rolle bei SUSE?

Lars Marowsky-Brée: Ich arbeite seit 16 Jahren für SUSE, wobei meine Tätigkeit im High Availability Clustering begann sowie im Bereich verteilte Systeme, wo Storage schon länger eine Rolle spielt. Ich war dabei sowohl in der Beratung als auch in der Entwicklung und Architektur tätig.

Alles, was wir bei SUSE tun, basiert auf Open Source-Software, und wie diese zu unseren Unternehmenskunden gebracht werden kann. Im Moment arbeite ich als Architekt für das Software-Defined Storage-Produkt von SUSE. Ich bin dabei in unseren wachsenden Software-Entwicklungsbereich eingegliedert und verantwortlich für die technische Leitung und Vision für die Entwicklung eines starken Produkts, das zum Teil auf dem Ceph-Projekt basiert.

Lenz: Kannst du kurz erklären, worum es sich bei SUSE Enterprise Storage handelt?

Lars: Unsere Mission bei SUSE ist es, unsere Kunden darin zu unterstützen, Open Source Software (OSS) einzusetzen, sodass sie sich positiv auf die Unternehmenstätigkeit auswirkt. Gleichzeitig arbeiten wir an der Verbesserung von OSS, um die Anforderungen besser abdecken zu können. Unter dieser Maxime steht unsere Arbeit am SUSE Enterprise Storage.

„Ceph ist flexibel, skalierbar und lebendig“

Software-Defined Storage bedeutet einen Paradigmenwechsel: So wie Linux damals kommerzielle und proprietäre Unix-Versionen ablöste, ist es heute möglich, unendlich skalierbare und flexible Storage-Lösungen zu entwickeln, die aus Commodity Hardware und Open Source Software bestehen. Das umfasst mehr als nur reduzierte CAPEX und OPEX. Dadurch werden Storage-Lösungen möglich, die die Anforderungen von Unternehmen besser erfüllen als proprietäre Produkte und die weiter wachsen und sich anpassen lassen. Das bewahrt Unternehmen vor einem Vendor-Lockin und integriert sich perfekt in das Cloud-Paradigma. Und ja, zu geringeren Kosten.

Ceph ist die Kernkomponente dieser Geschichte. Es ist das flexibelste, skalierbarste, lebendigste Open Source-Projekt, das derzeit in diesem Segment existiert. Ceph bietet die Schlüsselfunktionen für die Verwaltung von Speicherressourcen, wobei ich jetzt darauf verzichte, alle Funktionen für Block, Object und File Storage aufzuzählen. Es reicht darauf hinzuweisen, dass es ein wirklich großartiges Projekt ist, weshalb SUSE es zum Kern seines Storage-Produkts gemacht hat.

Lenz: Was sind denn die Vorteile eurer Ceph-Distribution gegenüber dem einfachen Download und händischen Installation von Ceph?

Lars: Naja, Ceph gibt es nicht isoliert. Es läuft auf einem Betriebssystem (sowohl auf dem Client als auch auf dem Server) und wird häufig als Storage-Backend für Cloud-Lösungen wie OpenStack genutzt, oder von anderen Anwendungen und Diensten verwendet. Für den Einsatz von Ceph braucht man ein ganzheitliches Testen von Anfang bis Ende sowie Management- und Monitoring-Lösungen, die dem entsprechen, was der Kunde braucht (von DevOps bis zu Management-Dashboards). Dazu Dokumentation und Training und die Garantie, dass es einen verlässlichen Support gibt, falls es zu Problemen kommt.

„Mehr als nur reine Software Paketierung“

Seit der Gründung 1992 hat SUSE umfassende Erfahrungen darin gesammelt, Kunden diesen Support anzubieten. Wir haben Antworten für alle Teile in diesem Lösungsstack: vom Betriebssystem SUSE Linux Enterprise Server zu SUSE OpenStack Cloud und SUSE Manager, macht uns das zu einer weltweit operierenden Support-Organisation. Wir bieten dem Kunden also alles was er braucht, um erfolgreich mit SUSE Enterprise Storage zu arbeiten. Es mag paradox erscheinen, aber mit dem Einsatz von Open Source-Technologie in geschäftskritischen Systemen sind wir bereits viele Male sehr erfolgreich gewesen.

Unsere Arbeit geht aber über die reine Software-Paketierung und Integration hinaus. Unsere Software-Ingenieure geben auch ihre Entwicklungen direkt an die Community zurück. Ob es Kernkomponenten wie die Ceph-Monitore sind, Arbeiten beim Release Management oder vollständige iSCSI-Gateways für heterogene Szenarien (die ersten, die es überhaupt gibt) – wir beteiligen uns in vielen Bereichen an der Community. Und da unsere Storage-Teams immer weiter wachsen, werden auch unsere Beiträge zunehmen. SUSE versteht sehr gut die Bedeutung, die die Zusammenarbeit mit der Community für Open Source-Projekte hat. Deshalb sind wir auch Gründungsmitglied des Ceph Advisory Board, das die Kooperation mit der Ceph Community weiter vorantreibt.

„openATTIC vereinfacht das Handling von Ceph“

Lenz: Da stimme ich dir zu. Eine enge Zusammenarbeit mit der Community eines Projekts ist einer der wichtigsten Aspekte, damit ein Projekt Erfolg hat. Das ist auch ein Schlüsselelement bei der Entwicklung von openATTIC. Wenn wir von unserem gemeinsamen Projekt sprechen: kannst du kurz beschreiben, was euch auf openATTIC brachte? Wie passt openATTIC in eure Vision?

Lars: Wir waren auf der Suche nach einem Open Source-Projekt, das das Handling mit Ceph-Storage vereinfacht. Wir brauchten ein Framework, das nicht nur über die richtigen Funktionen verfügte, sondern auch eine solide und erweiterbare Codebasis hatte, sowie ein aktives Entwicklerteam.

„openATTIC bietet eine leistungsfähige GUI“

openATTIC deckt viele Anforderungen ab, die unsere Kunden aus dem Unternehmens- und Rechenzentrumsumfeld haben. Über die RESTful-Architektur lässt sich openATTIC als leistungsfähige grafische Weboberfläche benutzen, aber auch über Commandline oder Python Scripting. Als wir uns den Code genauer angeschaut haben, haben unsere Entwickler gesehen, dass openATTIC 2.x alle unsere Anforderungen erfüllte und sogar darüber hinausging. Es ist eine moderne Grundlage, die wir weiterentwickeln können, um die Arbeit mit Ceph zu vereinfachen. Die einfache und klare Open Source-Lizenz (GNU General Public License) erleichtert es zudem, das Projekt weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig wollten wir auch etwas, das man nutzen konnte, ohne ein ganzes Ökosystem oder allumfassendes Management-Framework zu benötigen. Auch, wenn das jetzt widersprüchlich klingen mag: wir suchten explizit nach einer Lösung, die sich eben nicht nur auf SUSE beschränkte, sondern auch mit anderen Linux-Distributionen genutzt werden kann. Angesichts der Tatsache, dass openATTIC seit fünf Jahren entwickelt wird und das unter Berücksichtigung der Geschäftsanforderungen der Anwender, waren wir uns sicher, dass das bestehende Team ein starker Partner in der Zusammenarbeit sein würde. Natürlich fügt auch SUSE Entwickler zu diesem Team dazu und lädt explizit andere Community-Mitglieder ein, mitzumachen!

„openATTIC zum besten und Tool für die Verwaltung und Überwachung von Ceph machen“

Lenz: Ich denke, ich spreche für das ganze Team, wenn ich sage, dass wir uns von eurer Entscheidung, mit uns zusammenzuarbeiten und uns in der Entwicklung zu unterstützen, geehrt fühlen. Kannst du unsere Ziele kurz beschreiben und wie wir sie erreichen wollen?

Lars: Unser Ziel ist einfach: openATTIC zum besten und bekanntesten Tool für die Verwaltung und Überwachung von Ceph machen! Natürlich zielt unsere erste gemeinsame Arbeit darauf ab, openATTIC in openSUSE Build Service und die Tumbleweed– und Leap-Distributionen zu integrieren. Wie ich erwähnte, basiert unser SUSE Enterprise Storage-Projekt vollständig auf Open Source, deshalb war das der erste Schritt in Richtung Einbindung.

Die nächsten Schritte umfassen die Erweiterung der openATTIC-Modelle, um Ceph besser zu verstehen: Poolmanagement, RADOS Block Devices, das Hinzufügen von Cephs iSCSI Gateway-Funktionen zu openATTICs iSCSI-Modellierung und Object Storage. Dafür arbeiten wir daran, Cephs Calamari Management mit Ceph selbst zu integrieren. Wir wollen dabei das Rad nicht neu erfinden. Unsere Zusammenarbeit wird wahrscheinlich weitere Upstream-Beiträge für Calamari selbst produzieren.

Ein weiterer Meilenstein der Zusammenarbeit wird das Monitoring sein: eine Dashboard-Ansicht, die Möglichkeit, Alarme auf Pools zu setzen, etc. Angedacht ist auch, openATTIC mit Tools wie SaltStack zu integrieren, um Deployment und Betrieb zu vereinfachen.

Lenz: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen euren Entwicklern und dem openATTIC-Team aussehen? Welche Mehrwerte entstehen daraus für die openATTIC Community?

Lars: Wir werden über den offenen #openattic IRC Channel auf Freenode miteinander kommunizieren und nutzen die öffentliche Google Gruppe und Mailingliste  für Diskussionen. Offene Punkte und geplante Funktionen erfassen wir in JIRA. Der gesamte Code ist öffentlich zugänglich auf BitBucket, der aktuelle Status aller openSUSE-Pakete steht auf dem openSUSE Build Service. Mitstreiter sind ausdrücklich willkommen!

„Die Zusammenarbeit mit der Community ist entscheidend“

Wir hoffen sehr, dass die openATTIC Community von der Unterstützung des Entwicklerteams und unseren Beiträgen profitiert, um openATTIC noch leistungsfähiger und besser zu machen und noch mehr Plattformen zu unterstützen. Nochmal: wir wollen diese Entwicklung offen und zugänglich für alle machen. Unsere Ziele umfassen auch die Vergrößerung der Community, sowohl durch die Teilnahme an Community Events und die Vorstellung unseres Projekts hier (z.B. auf der Vault Conference), als auch durch das Gewinnen von weiteren Partnern und Anwendern.

Lenz: Und wir hoffen, dass es uns eine größere Nutzer- und Entwicklergemeinde bringt, die unsere Begeisterung für das Projekt teilt. Danke dir für das Gespräch, Lars, wir freuen uns sehr auf das gemeinsame Projekt!

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Nachtrag: Das openATTIC-Projekt ist zusammen mit dem Storage-Bereich der it-novum zum November 2016 an SUSE übergegangen. SUSE wird openATTIC zum Management-Frontend für die Verwaltung von Ceph-Clustern weiterentwickeln.

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Lenz Grimmer ist Team Lead Product Management & Development für unsere Software-Defined Storage-Plattform openATTIC. Lenz ist seit seinem Informatikstudium Mitte der neunziger Jahre mit dem Linux/Open Source Virus infiziert und seitdem im Linuxbereich unterwegs: als Entwickler für SUSE Linux und MySQL AB, als Community Relations Manager für MySQL und als Product Manager für die Oracle Linux Distribution und die Sync & Share – Lösung TeamDrive. Als openATTIC Product Manager unterstützt Lenz bei der Weiterentwicklung von openATTIC und dem Ausbau des Anwender- und Kundenkreises.

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