Einfach und intuitiv: Grundlagen für die Erstellung von Dashboards

1
Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard

Aufgeräumt, übersichtlich, farblich gut akzentuiert: So muss ein gutes Dashboard aussehen (Quelle: Pentaho)

Der richtige Umgang mit Daten und Datenanalysen ist nicht leicht. In vielen Unternehmen herrscht die Meinung „je mehr, je komplexer, umso besser“.
Das Gegenteil ist der Fall: will man seine Daten richtig nutzen, muss man sie so einfach wie möglich darstellen. Zum Beispiel in Dashboards. Wie man sie gestaltet und was dabei zu beachten ist, beschreibe ich in diesem Beitrag.

Hinter einem Dashboard steht normalerweise ein Business Intelligence-System, das die dargestellten Daten sammelt und bearbeitet. Auch, wenn ich den einen oder anderen Leser damit langweilen werde, möchte ich uns noch einmal kurz in Erinnerung rufen, was die eigentlichen Aufgaben von BI-Systemen sind. Sie sind dazu da, um Informationen effektiv und effizient zu verteilen. Teilweise gibt es sehr unterschiedliche Anforderungen daran, wie die Informationen aufbereitet und dargestellt werden. Das sollte in Abhängigkeit vom Empfängerkreis geschehen: Fachanwender erhalten Daten anders aufbereitet als das Management. Unterschiede können z.B. bestehen bezüglich des Detaillierungsgrads, der Interaktivität oder Flexibilität, Visualisierung oder Mobilität.

Komprimierter Blick auf Daten: Dashboards
Eine Möglichkeit, Daten aufzubereiten und zu visualisieren, sind Dashboards. Dashboards bieten eine komprimierte Darstellung von komplexen Informationen auf einen Blick. Sie führen Daten aus verschiedenen Datenquellen zusammen und stellen sie visuell dar. Idealerweise sind sie außerdem intuitiv bedienbar, um die Konsumierung von Daten einfach zu gestalten. Dashboards werden normalerweise nur für Mitglieder des Managements eingerichtet, um ihnen dabei zu helfen, sich auf die wirklich wichtigen Themen zu konzentrieren. Dadurch fördern sie eine schnellere Reaktionsfähigkeit, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen.

Falsch ausgewählte Diagramme können zu Missinterpretationen führen
Diese Punkte sind weder neu noch originell. Und trotzdem werden sie oft missachtet, weil Daten falsch oder ungünstig dargestellt werden. Welcher Diagrammtyp verwendet wird und ob ein Diagrammbalken nach links oder nach rechts zeigt, kann große Auswirkungen auf die Aussagekraft der dargestellten Informationen haben. Im schlimmsten Fall sind Missinterpretationen möglich. Weil mir das oft im Alltag begegnet, stelle ich hier die wichtigsten Regeln bei der Erstellung von aussagekräftigen Datenvisualisierungen und Dashboards vor. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei Stephen Fews Buch über Information Dashboard Design empfohlen, in meinen Augen das Standardwerk in diesem Bereich. Nützlich sind auch die Gestaltungsregeln zu Berichten und Statistiken von Dr. Rolf Hichert.

Das verwendete System ist Pentaho, die eingesetzte Technik zur Erstellung des Dashboard basiert auf Ctools, einer Sammlung von Community-basierten Werkzeugen für die Aufbereitung von Daten. Die Abbildungen stammen ebenfalls von Pentaho.

Regel 1: Diagramme bilden den Hauptbestandteil des Dashboards
„Dieses Jahr haben wir einen Umsatz von 4987739 Euro verzeichnet, im Vorjahr waren es 3677384 Euro“. Wer aus so einem Satz auf einen Blick erkennen will, wie stark der Umsatz gestiegen ist, der muss schon ein Rechenkünstler sein. In ein Dashboard gehört er daher nicht. Denn: Den Inhalt eines Dashboards sollte man auf einen Blick verstehen. Texte und große Tabellen mit vielen Einzeldaten verwirren nur und sollten in Diagrammen dargestellt werden. Diese zeigen den Inhalt wesentlich schneller und effizienter an, weil der Betrachter in kurzer Zeit die wichtigen Daten erfassen kann. Außerdem helfen sie, Platz im Dashboard zu sparen. Aber nicht alle Diagramme sind gleich gut geeignet: braucht ein Diagramm für die Verständlichkeit zu viel Platz, ist es das Falsche.

Prinzip 1: Diagramma als Hauptbestandteil des Dashboards

Prinzip 1: Diagramme als Hauptbestandteil des Dashboards

Regel 2: Das Dashboard weist eine hohe Informationsdichte auf
Ein Dashboard sollte den gesamten Bildschirm ausfüllen. Dadurch ist genügend Platz für die wichtigsten Datenvisualisierungen. Verzichten sollte man auf Bilder, z.B. Hintergrundbilder oder ähnliches. Sie lenken nur vom Wesentlichen ab. Hat man alle wichtigen Daten im Dashboard platziert, sollte man keine weiteren Informationen dazu fügen, auch wenn es scheint, dass dafür noch Platz ist. Von den so beliebten Kuchendiagrammen halte ich persönlich wenig, denn sie sind nicht besser lesbar, brauchen aber fast doppelt so viel Platz als Balkendiagramme. Verabschieden Sie sich also vom geliebten Pie Chart und wählen Sie lieber die schlanke Variante.

Prinzip 2: Hohe Informationsdichte

Prinzip 2: Ein Dashboard verfügt über eine hohe Informationsdichte

Regel 3: Inhalte einfach darstellen
Vielleicht hat es Sie überrascht, zu lesen, dass Kuchendiagramme für Dashboards weniger geeignet sind als Balkendiagramme. Das trifft auch auf 3D-Diagramme zu: Sie sehen zwar schick aus, lassen sich aber nicht so gut lesen wie klassische Diagramme. Ein gutes Dashboard stellt seine Daten in einer einfach lesbaren Form dar. Es geht schließlich nicht um schöne, sondern um verständliche Inhalte! Sie sollten daher auf Gestaltungselemente möglichst verzichten, wenn sie keine Aussage besitzen. Dazu gehört das Weglassen von Animationen (die weder in PowerPoint noch in Dashboards etwas zu suchen haben) und ein sparsamer Einsatz von Farbe: stellen Sie verschiedene Graphen am besten in unterschiedlichen Grautönen dar. Helle Farben sind schlecht; sie heben die Graphen nur unnötig hervor und verfälschen so Interpretationen. Signalfarben sollten Sie nur verwenden, wenn der Inhalt explizit hervorgehoben werden soll.

Prinzip 3: Einfache Darstellung der Inhalte

Prinzip 3: Inhalte einfach darstellen

Nicht alle Datenvisualisierungen werden auf die gleiche Weise gelesen. Inzwischen ist es weitläufig bekannt, dass wir Zahlen unterschiedlich interpretieren, je nachdem wie sie dargestellt und angeordnet werden. Zum Beispiel sind wir es gewohnt, Zeiteinheiten von links nach rechts zu lesen. Die zeitliche Entwicklung (Tage, Monate, Jahre) sollte daher immer auf der X-Achse angeordnet werden. Dagegen gehören Strukturen (wie z.B. Produkte) auf die Y-Achse.

Regel 4: Vergleichsdaten erheben und zeigen
Das Ziel von Diagrammen ist es, Vergleiche zu zeigen. Klingt logisch, oder? Je mehr Vergleiche ein Diagramm enthält, umso verständlicher und aussagekräftiger ist es. Wenn man erst den Bericht lesen muss, der hinter einem Diagramm liegt, ist es nicht gut entworfen. Und was kann man alles vergleichen? Eigentlich alles: Vorjahreswerte, Zielwerte, Zeitserien (die letzten Wochen, Monate oder Jahre), Werte von Konkurrenten und vieles mehr. Tipp: Sortierte Balken sind leichter zu interpretieren als unsortierte. Hier gehen leicht Informationen verloren.

Prinzip 4: Vergleichsdaten erheben und zeigen

Prinzip 4: Vergleichsdaten erheben und zeigen

Regel 5: Das Dashboard weist ein einheitliches Aussehen auf
Geben Sie Ihrem Dashboard ein einheitliches Design. Versuchen Sie, alle Elemente zu standardisieren. Zum Beispiel, indem Sie ein Symbol für alle Zielwerte verwenden. Auch bei den Farben sollten Sie einheitlich bleiben: Machen Sie sich die Mühe und erstellen Sie ein Konzept für Farben und Schriften. Das verleiht dem Dashboard ein aufgeräumtes und ruhiges Aussehen. Stellen Sie gleiche Inhalte nicht mit verschiedenen Diagrammen dar, weil das den Betrachter verwirrt. Zeigen Sie maximal sechs Dimensionen in einem Diagramm: Zeit, Produkt, Ist-Wert, Zielwert, Kategorisierung (gut, mittel, schlecht etc.).

Prinzip 5: Einheitliches Dashboard-Design

Prinzip 5: Einheitliches Dashboard-Design (zum Vergrößern klicken)

Wenn man sich halbwegs an die fünf Regeln hält, ist es nicht schwierig, das Ziel eines Dashboards zu erreichen: Informationen und Daten ansprechend und komprimiert aufzubereiten, sodass sie bei der Entscheidungsfindung helfen. Wie das aussehen kann, sehen Sie hier:

Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard

Aufgeräumt, übersichtlich, farblich zurückhaltend, aber gut akzentuiert: Ein Beispiel für ein gelungenes Dashboard (Quelle: Pentaho)

Tags: , , , , ,

Stefan Müller - Director Business Intelligence & Big Data
Nach mehreren Jahren Tätigkeit im Bereich Governance & Controlling und Sourcing Management ist Stefan Müller bei it-novum gelandet, wo er den Bereich Business Intelligence aufgebaut hat. Stefans Herz schlägt für die Möglichkeiten, die die BI-Suiten von Pentaho und Jedox bieten. Er beschäftigt sich aber auch mit anderen Open Source BI-Lösungen. Seine Begeisterung für Business Open Source für Datenanalyse und -aufbereitung gibt Stefan regelmäßig in Fachartikeln, Statements und Vorträgen und als Experte der Computerwoche weiter.
Webprofile von Stefan: Twitter, XING, Google+

Ein Gedanke zu „Einfach und intuitiv: Grundlagen für die Erstellung von Dashboards

  1. Pingback: Wie erstellt man gute Dashboards? - Business Open Source Blog

Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.