Das Beste aus beiden Welten. Ein Einblick in „Pentaho und Jedox“, Teil 4

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Pentaho und Jedox

Pentaho und Jedox

Heute neigt sich meine Blogserie zu unserem Fachbuch „Pentaho und Jedox“ dem Ende zu. In den ersten drei Beiträgen ging es um Business Intelligence allgemein sowie um die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Pentaho und Jedox. Im letzten Teil zeige ich, warum ungewöhnliche Kombinationen manchmal einer einzelnen Software-Lösung vorzuziehen sind.

Pentaho und Jedox sind zwei Software-Suiten für Business Intelligence (BI), die ich im Buch „Pentaho und Jedox. Business Intelligence-Lösungen: Data Warehousing, Reporting, Analyse, Planung“ ausführlich vorstelle. Während es in den ersten zwei Dritteln des Buchs um eine ausführliche Einführung in die beiden Lösungen ging, widmet sich der letzte Teil um einem ungewöhnlichen Lösungsansatz: der kombinierten Nutzung von Pentaho und Jedox innerhalb einer integrierten Business Intelligence-Architektur.

Wie die vergangenen Beiträge deutlich gemacht haben, bieten beide BI-Plattformen einen vollständigen Funktionsumfang für BI, verfolgen jedoch unterschiedliche Ansätze und eignen sich daher für unterschiedliche Anwendungsszenarien. Die Stärken und Schwächen von Pentaho und Jedox sind:

Bereich Datenintegration bzw. Data Warehouse
Hier hat Pentaho klar die Nase vorn. Pentaho Data Integration (PDI), ein Urgestein im BI-Bereich, ist ein Werkzeug, dessen Leistungsfähigkeit weit über das Thema Datenintegration hinausgeht. Für die Verarbeitung der Daten können alle gängigen Big Data Stores angezapft werden. Die Funktionen und die möglichen Anwendungsfelder sind sehr umfangreich. Bei Jedox ist dagegen hervorzuheben, dass ETL-Prozesse aus der Oberfläche heraus schnell und einfach angestoßen werden können. Die Anwender können dadurch auch Batch-Verarbeitungen vornehmen.

Bereich Reporting
Beim Reporting liegen beide Tools ungefähr auf Augenhöhe. Pentaho bietet bessere Möglichkeiten bei der Erstellung von Berichten. Das liegt unter anderem an den Frontends, die sich an unterschiedliche Anwendergruppen von Entwicklern bis Endanwendern wenden. Jedox bietet dagegen mit seinem Excel-Frontend die perfekte Arbeitsumgebung für Fachanwender besonders aus dem Controlling- und Finanzbereich. Die User können schnell und unkompliziert Berichte erstellen und über verschiedene Kanäle anderen Mitarbeitern zur Verfügung stellen.

Bereich Online Analytical Processing (OLAP) und Analysen
Der Sieg im OLAP-Bereich geht mit etwas Vorsprung an Jedox. Fachanwendern bietet Jedox eine leistungsstarke Analyseplattform mit der Multidimensional Online Analytical Processing (MOLAP)-Datenbank im Hintergrund und den Tabellenkalkulationen als Frontend. Jedox nimmt dabei den Begriff Self-Service-BI sehr ernst. Pentaho bietet mit Mondarin dagegen einen ROLAP-Ansatz, der etwas technischer orientiert ist. ROLAP-Systeme nutzen relationale Datenbanksysteme, aus denen die Daten abgefragt werden. Über die Verwendung von analytischen Datenbanken können OLAP-Anwendungen auch für sehr große Datenmengen bereitgestellt werden. Insgesamt bietet Pentaho mit seinem Analyzer weniger Freiheitsgrade als die Jedox-Tools für Excel oder das Web.

Bereich Dashboards
Pentaho ist bei der Erstellung von Dashboards die leistungsfähigere Lösung. Von Self-Service Dashboards bis hin zu maßgeschneiderten CTools-Dashboards gibt es zahlreiche Möglichkeiten für die Gestaltung von Daten-Cockpits. Durch die Software-Sammlung CTools kann man die Diagrammesammlung beliebig erweitern. Jedox setzt auch in Sachen Dashboards auf seinen Excel-Ansatz. Im Vergleich zu Pentaho sind die Features zur Erstellung von Dashboards eher eingeschränkt.

Bereich Planung
Jedox punktet klar im Bereich Unternehmensplanung, da Pentaho hier keinerlei Funktionen bietet. Durch eine Write-back-Funktion in Jedox lassen sich Datenwürfel beschreiben. Dadurch lassen sich umfangreiche Planungsapplikationen entwickeln, welche die bestehenden Prozesse vereinheitlichen und beschleunigen. Pentaho bietet hier keinerlei Funktionen, was die Ausrichtung der Lösung auf ETL, Datenauswertungen und Bit Data zum Ausdruck bringt.

Pentaho oder Jedox?
Am Ende der Artikelreihe über die beiden BI-Lösungen stellt sich die Frage: welche Software ist die Richtige für mein Unternehmen? Bevor man sich für eine Lösung entscheidet, sollte man aber eine Kombination beider Systeme nicht außer Acht lassen: mein Ansatz ist es deshalb, die Stärken der beiden Tools zu betonen, indem sie in einer gemeinsamen Business Intelligence-Architektur zusammengeführt werden. Hört sich kompliziert an? Nicht unbedingt: Pentaho und Jedox können wegen ihrer modulbasierten Architektur in Teilen implementiert werden, sodass nur das installiert werden muss, was auch wirklich gebraucht wird. Dadurch lassen sich mit relativ überschaubarem Aufwand attraktiven BI-Lösungen bauen. Zwei solcher Kombinationslösungen stelle ich im Folgenden vor:

Kombination I: Datenintegration mit Pentaho und intuitive Analysen mit Jedox
Das Data Warehouse mit Pentaho aufzubauen bietet sich an, wenn beispielsweise hohe Anforderungen im Bereich Datenintegration bestehen. Sollen unterschiedliche Datenquellen in einem Data Warehouse zusammengeführt werden, ist Pentaho die richtige Lösung, denn es bietet mit Pentaho Data Integration eines der leistungsstärksten Werkzeuge für ETL-Aufgaben, die momentan auf dem Markt sind. Für das Frontend für die Datenauswertungen kommt Jedox zum Einsatz. Sind die Daten einmal in der MOLAP-Datenbank, können die Anwender wie gewohnt mit Tabellenkalkulationen in Excel arbeiten. In der GPU-Variante kann Jedox auch als hoch performante Analysedatenbank für große Datenmengen aus Hadoop oder anderen Big Data Stores dienen. Selbstverständlich kann man in das Frontend auch Daten eingeben. Sollen diese Werte allerdings auch im Data Warehouse liegen, müssen sie per ETL in die relationale Datenbank eingepflegt werden.

Kombination II: Erweiterung von Pentaho um Planungsfunktionalitäten von Jedox
Die zweite Variante geht von einer bestehenden Pentaho-Installation aus, die um die Planungsfunktionalitäten von Jedox erweitert werden soll. Dabei wird die komplette Architektur, vom Data Warehouse bis zu den Reports und Analysen, mit Pentaho bewirtschaftet. Dafür spricht, dass mit dieser Architektur auch Big-Data-Technologien genutzt werden können, Berichte an große Empfängerkreise verteilt werden können und sich OLAP auf sehr großen Faktentabellen nutzen lässt. Die Frontends setzen dabei auf die gleiche Datenbasis des Data Warehouse auf. In Jedox kann eine eigene „Planungswelt“ geschaffen werden, in der die Anwender mit den Daten verschiedene Szenarien durchspielen können. Ist eine finale Planversion erreicht, werden die Daten per ETL in das Data Warehouse zurückgespielt. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Planwerte allen weiteren Pentaho-Frontends für Plan-Ist-Vergleiche und Ähnliches zur Verfügung. Soll das Ganze noch weiter ausgebaut werden, können in einer nächsten Stufe die Web-Frontends integriert werden, sodass sich die Anwender nur an einer Oberfläche anmelden müssen.

Zusammenfassung
Pentaho und Jedox für sich alleine bieten leistungsstarke Lösungen für Business Intelligence. Beide Plattformen haben individuelle Stärken und Schwächen, bedingt durch die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Herausforderung Business Intelligence. In einer gemeinsamen Lösung integriert stellen sie aber eine umfassende Plattform für Informationsaufbereitungen dar. Innerhalb der kombinierten BI-Lösung kann jedes der beiden Tool seine individuellen Stärken einbringen, sodass sich damit eine Vielzahl von Use Cases und Anwendungen abdecken lässt.

Die Pentaho-Jedox-Kombination ist auch deshalb so interessant, weil sie über offene Schnittstellen verfügt und relativ günstig in der Anschaffung und im Betrieb ist. Für Unternehmen kann die integrierte BI-Plattform daher eine attraktive Alternative zu mächtigen BI-Suiten großer Hersteller darstellen.

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Stefan Müller - Director Business Intelligence & Big Data
Nach mehreren Jahren Tätigkeit im Bereich Governance & Controlling und Sourcing Management ist Stefan Müller bei it-novum gelandet, wo er den Bereich Business Intelligence aufgebaut hat. Stefans Herz schlägt für die Möglichkeiten, die die BI-Suiten von Pentaho und Jedox bieten. Er beschäftigt sich aber auch mit anderen Open Source BI-Lösungen. Seine Begeisterung für Business Open Source für Datenanalyse und -aufbereitung gibt Stefan regelmäßig in Fachartikeln, Statements und Vorträgen und als Experte der Computerwoche weiter.
Webprofile von Stefan: Twitter, XING, Google+

2 Gedanken zu „Das Beste aus beiden Welten. Ein Einblick in „Pentaho und Jedox“, Teil 4

  1. Mewes

    Von vielen Unternehmen wird die Implementierung von Open Source BI Lösungen ohne Support als Business Risiko angesehen. Was kosten die verschiedenen Lizenztypen beider Systeme?

    Antworten
    1. Stefan Müller Artikelautor

      Hallo Mewes,

      die Zeiten in denen Open Source in Unternehmen als Risiko gesehen wurde, sind schon lange vorbei. Vielmehr ist OS in vielen, innovativen Bereichen allgegenwärtig, z.B. Big Data. Die Kosten sind in der Regel Subscription-basiert und variieren in Abhängigkeit der Anforderungen.

      Viele Grüße
      Stefan

      Antworten

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